Seit dem 9. Jahrhundert feiert die römisch-katholische Kirche am 15. August das Hochfest Mariä Himmelfahrt oder Mariä Aufnahme in den Himmel. Obwohl von einer Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel in der Bibel nichts steht, hat das Fest eine besondere Bedeutung für unsere Zeit. Diese erschliesst sich durch eine Spurensuche des Autors über ein Mosaik in der Kirche Santa Maria in Trastevere in Rom.

Mitten im verwinkelten und von schmalen Gassen durchzogenen Trastevere-Quartier öffnet sich ein Platz mit einem mächtigen, achteckigen Brunnen und einer gegen aussen hin beinahe unscheinbaren Kirche: Santa Maria in Trastevere, der die ältesten Marienkirche Roms. Hier hat vermutlich bereits im 3. Jahrhundert eine frühchristliche Hauskirche gestanden. Ein erster Kirchenbau aus der Mitte des 4. Jahrhunderts wurde im 12. Jahrhundert durch die heutige Basilika ersetzt.
Wer die Kirche betritt, wird von atemberaubenden Mosaiken des Künstlers Pietro Cavallini empfangen, welche die Apsis, den Triumphbogen und die Seitenschiffe in goldenes Licht tauchen.
Im 13. Jahrhundert hat Cavallini im unteren Teil der Apsis eine Serie von sechs Bildern zum Leben Marias geschaffen: Mariä Geburt, Verkündigung, Geburt Jesu, Anbetung der Weisen, Darbringung Jesu im Tempel und Tod Mariens. Mich zieht es jeweils zum letzten, etwas hinter dem Seitenschiff verborgen liegenden Mosaik.
Beziehung über den Tod hinaus
Die Apostel sind um das Sterbebett der Gottesmutter versammelt und Christus kommt in Begleitung von Engeln, um die Seele Marias abzuholen. Wir sind mit Bildern vertraut, auf denen Maria den kleinen Jesus in den Armen hält und stellen überrascht fest, dass es hier genau umgekehrt ist: Jesus hält die weissgewandete Seele Marias im Arm und nimmt sie in den Himmel auf. Was für ein schönes und tröstliches Bild, dass die Beziehung zu Jesus durch den Tod hindurch und darüber hinaus bestehen bleibt! Ganz und gar, mit Leib und Seele. Auch wenn diese Vollendung Maria in besonderer Weise zuteilgeworden ist, erinnert sie uns daran, dass sie allen Getauften zugesagt ist.
Gebet und Mosaike
Aus zwei Gründen ist Santa Maria in Trastevere für mich seit Jahrzehnten die letzte und obligatorische Station eines Romaufenthalts, bevor ich wieder nach Hause reise: Jeden Abend um 20 Uhr füllt sich die Kirche zum Gebet. Unzählige Freiwillige der Gemeinschaft von Sant’ Egidio, welche sich in Rom für Obdachlose, Einsame und Notleidende einsetzen, strömen aus der ganzen Stadt zusammen, um gemeinsam zu beten. Die stille Kraft des Gebets ist mitten in der pulsierenden Millionenmetropole eindrücklich spürbar.
Der zweite Grund sind die wunderbaren Mosaike in der Apsis der Kirche mit ihren tiefgründigen Botschaften.
Trost und Zuversicht
Vor 75 Jahren verkündete Papst Pius XII. das jüngste Dogma, «dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.»
So schwierig diese verbindliche Glaubenslehre der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel zu verstehen ist, birgt sie doch für uns eine tröstliche Zusage: Mensch, du hast Zukunft in der vollendeten Gemeinschaft mit Christus. Gestärkt und ermutigt mit dieser Zuversicht kehre ich jeweils aus Rom zurück.
Ein herzliches Dankeschön gilt Messalla, der das Foto für unser Pfarreiblatt zur Verfügung stellt. Seine vielen Reisen dokumentiert er auf seinem lesenswerten Blog www.corvinus.nl