zurück zur Übersicht

Himmlisches aus der Klosterküche

Die Schwestern des Klosters Frauenthal backen ihre traditionellen Lebkuchen nicht nur zur Weihnachtszeit.
Alle paar Wochen verwandelt sich die Küche des Klosters Frauenthal in eine grosse Backstube: Hier entstehen dutzende Lebkuchen, unter anderem für die Stadt Zug. Die Äbtissin erzählt, warum die Schwestern das Rezept aktuell neu entdecken, weshalb sie bei ihren ersten Versuchen viel betete – und mit welchem Geheimtipp das Gebäck mit Sicherheit gelingt.

Lange Tradition: Alle sechs bis acht Wochen bereitet eine der Klosterschwestern rund 14 Kilo Teig für die traditionellen Lebkuchen zu. Foto: Kloster Frauenthal
Lange Tradition: Alle sechs bis acht Wochen bereitet eine der Klosterschwestern rund 14 Kilo Teig für die traditionellen Lebkuchen zu. Foto: Kloster Frauenthal

Einmal im Jahr bekommen die Frauenthaler Lebkuchen eine «grosse Bühne»: An der Lebkuchenfeier der Stadt Zug in der Adventszeit werden engagierte Zugerinnen und Zuger für verschiedenstes Engagement geehrt. Zum Dank bekommen sie je einen extra grossen Frauenthaler Lebkuchen mit stolzen 30 Zentimetern Durchmesser. Das Gebäck stamme «seit Menschengedenken» aus dem Kloster Frauenthal, schreibt die Stadt Zug – und werde nach ein paar Jahren Pause nun wieder von den Klosterschwestern gebacken.

14 Kilo Teig – 50 Lebkuchen

Grund genug, um bei den Schwestern anzuklopfen für einen Einblick in diese lange Tradition. Zu den Lebkuchen aus ihrem Kloster hat die Äbtissin, Schwester Beda, viel zu erzählen. Alle sechs bis acht Wochen bäckt eine der Schwestern in der Klosterküche frische Lebkuchen, schildert sie. «Wenn wir eine grosse Menge backen, sind es fast 14 Kilo Teig.» Daraus entstehen etwa 20 grosse und 30 etwas kleinere Lebkuchen. Es sei hilfreich, aber nicht immer möglich, wenn später noch eine weitere Schwester hinzukomme, um beim Aufräumen und Abwaschen zu helfen.

Langjährige «Expertin»

Die Frage, ob es unter den Zisterzienserinnen im Kloster eine Expertin in Sachen Lebkuchenbacken gebe, entlockt Schwester Beda ein Schmunzeln: Das sei «eine lustige Geschichte», holt sie aus. Über lange Zeit lebte im Kloster Frauenthal eine Schwester, die fast 40 Jahre in der Küche tätig war. «Sie war wirklich eine Expertin für die Lebkuchen und backte diese ganz allein», schildert sie.

Nachdem die Schwester jedoch verstarb, stellte die Gemeinschaft für eine Weile keine Lebkuchen mehr her. Eine Zuger Bäckerei sprang in die Bresche und bereitete in der Folge die grossen Lebkuchen für die Stadt Zug zu. Vor einigen Jahren schliesslich wagte sich im Kloster Frauenthal wieder eine der Schwestern an das Lebkuchenrezept. «Sie ist eine gute Bäckerin und sammelte langsam Erfahrung und Wissen», schildert die Äbtissin. Aktuell aber sei sie für ein Sabbatjahr weg, und die jüngeren Schwestern sind gefordert.

Rezept in einer Fremdsprache

Für die Äbtissin selbst ist das Backen der Lebkuchen eine Herausforderung in zweifacher Hinsicht: Deutsch ist für die gebürtige Amerikanerin eine Fremdsprache – «Rezepte auf deutsch sind doppelt anspruchsvoll!»

Nicht zuletzt deswegen habe sie die ersten zwei oder drei Male in der Backstube «viele Rosenkränze gebetet». «Und die Gemeinschaft hat bestimmt auf meine Bitte hin ebenfalls viel gebetet», fügt sie an. Sie bete noch immer, aber inzwischen sei es eher wie bei anderen Arbeitsaufgaben: «Die Arbeit selbst wird zu einem Gebet – etwas, das wir mit Gott und für ihn tun.»

Das Rezept der Lebkuchen dürfte im übrigen viele Jahrhunderte zurückreichen: Schon im Jahr 1384 stellten die Nonnen des Klosters Frauenthal grosse Lebkuchen für die Stadt Zug her. Die Äbtissin vermutet, dass es noch immer dasselbe Rezept sei: Das aktuelle stamme aus der Feder der «Expertin», die für 40 Jahre in der Küche arbeitete. Alle nachfolgenden «Lebkuchen-Bäckerinnen» im Kloster hätten dieses übernommen.

Los geht's: Der noch crèmige Lebkuchenteig wir in die Backförmchen gefüllt. Foto: Kloster Frauenthal
Los geht's: Der noch crèmige Lebkuchenteig wir in die Backförmchen gefüllt. Foto: Kloster Frauenthal

Birnenhonig darf nicht fehlen

Das Backprozedere selbst ist schnell erzählt: Die Zutaten werden angerührt und der Teig in Förmchen verschiedener Grösse gefüllt. Welche Zutaten die Schwestern verwenden, sei nicht im Detail verraten – nur so viel: Birnenhonig ist besonders wichtig. Schwester Bedas persönliche Lieblingszutaten sind die Lebkuchengewürze: «Sie riechen himmlisch!»

Sagts und schiebt ihren Geheimtipp für das Gelingen der Lebkuchen nach: dies sei wohl «das Gebet». «Sonst ist es nicht so kompliziert – es braucht Erfahrung, und jedes Mal ist es wieder ein wenig anders. Aber wenn etwas mit Liebe gemacht ist, wird es immer gut.»

Lebkuchen mit Schlagrahm

Nach dem Backen und Abkühlen gelangen die Lebkuchen zum Verkauf in den Klosterladen. «Im Winter verkaufen wir mehr als im Sommer, und zu Weihnachten verschenken wir einige», so Schwester Beda. «Wenn wir viele verkaufen oder viele Bestellungen bekommen, backen wir einfach öfters.»

So oder so sei das Lebkuchenbacken für die Schwestern eine schöne Tradition – für einmal weniger liturgisch und gebetszentriert als andere Traditionen im Kloster. «Wir freuen uns, wenn wir damit andern eine Freude machen können», sagt die Äbtissin. So könnten sie mit Menschen in Verbindung stehen auch durch etwas «nicht Religiöses», das doch immer noch ein Geschenk Gottes bleibe.

In den Genuss «ihrer» Lebkuchen kommen die Schwestern auch selbst: Dies, wenn die Lebkuchen zu klein geworden sind oder zu lange auf den Verkauf gewartet haben. «Wir essen sie meistens abends», sagt Schwester Beda. «Sie schmecken wunderbar zu Joghurt, Butter oder Schlagrahm.»

www.kloster-frauenthal.ch

Impressionen aus der Klosterbäckerei

Lange Tradition: Alle sechs bis acht Wochen bereitet eine der Klosterschwestern rund 14 Kilo Teig für die traditionellen Lebkuchen zu. Foto: Kloster Frauenthal

Lange Tradition: Alle sechs bis acht Wochen bereitet eine der Klosterschwestern rund 14 Kilo Teig für die traditionellen Lebkuchen zu. Foto: Kloster Frauenthal

Los geht's: Der noch crèmige Lebkuchenteig wir in die Backförmchen gefüllt. Foto: Kloster Frauenthal

Los geht's: Der noch crèmige Lebkuchenteig wir in die Backförmchen gefüllt. Foto: Kloster Frauenthal

...und kommt danach in den Ofen. Sobald die Lebkuchen durchgebacken sind...  Foto: Kloster Frauenthal

...und kommt danach in den Ofen. Sobald die Lebkuchen durchgebacken sind... Foto: Kloster Frauenthal

...müssen sie in der Klosterküche vollständig abkühlen. Foto: Kloster Frauenthal

...müssen sie in der Klosterküche vollständig abkühlen. Foto: Kloster Frauenthal

Fleissarbeit: nach dem Abkühlen werden die duftenden Lebkuchen einzeln eingepackt für den Klosterladen oder für Bestellungen. Foto: Kloster Frauenthal

Fleissarbeit: nach dem Abkühlen werden die duftenden Lebkuchen einzeln eingepackt für den Klosterladen oder für Bestellungen. Foto: Kloster Frauenthal

Mmmhhhh: Leckere Lebkuchen und andere Köstlichkeiten aus der Klosterküche. Foto: Kloster Frauenthal

Mmmhhhh: Leckere Lebkuchen und andere Köstlichkeiten aus der Klosterküche. Foto: Kloster Frauenthal