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Wie gemeinsames Singen verbindet: 135 Jahre Kirchenchor St. Michael

Der Kirchenchor St. Michael Zug feiert sein 135-jähriges Bestehen

Wer in einem Chor singt, weiss: Zusammen singen bereichert, erfreut die Herzen, schafft Freundschaften und ist darüber hinaus ein wichtiges Kulturgut. Was das Gemeinschaftserlebnis ausmacht, zeigen Stimmen aus dem Kirchenchor St. Michael.

Eine lange Tradition, ein grosses Jubiläum: Seit stolzen 135 Jahren gibt es den Kirchenchor St Michael in Zug. Dieses lange Bestehen macht deutlich, welch bedeutendes Kulturgut Chorsingen ist – ein wertvolles, intergenerationelles Gemeinschaftserlebnis. Man könnte sagen: Beim gemeinsamen Singen schlagen die Herzen der Sängerinnen und Sänger im gleichen Takt.

Was genau macht den Reiz des Singens im Chor aus? Wie ist es möglich, dass ein Verein über eine so lange Zeit bestehen kann? Dies wollte Dirigent Philipp E. Gietl im Vorfeld des Jubiläumskonzerts mit seinem OK-Team von den Sängerinnen und Sängern wissen. In einer Online-Umfrage unter den Chormitgliedern fragte er sie unter anderem: «Warum singst du in einem Kirchenchor?» Die Auswertung der Antworten zeichnet ein buntes Bild an Motivationen.

Gemeinsames Musizieren verbindet, schafft Freundschaften, bereichert, hält jung und gibt ein Gefühl von Zugehörigkeit und Harmonie. Foto: zVg

Glaubenserfahrung durch Musik

Im Vordergrund steht für die Chormitglieder die Freude am Singen. «Fast alle betonen, dass sie einfach gerne singen»‚ sagt Gietl. «Es macht Freude, tut gut, ist wohltuend, entspannend und belebend. Viele sagen: ‘Ich singe für mein Leben gern'.»

Ein weiteres Argument ist die Chorgemeinschaft. «Das gemeinsame Musizieren verbindet, schafft Freundschaften, bereichert, hält jung und gibt ein Gefühl von Zugehörigkeit und Harmonie», fasst Gietl zusammen. Viele sehen das Singen ausserdem als Dienst zur Ehre Gottes und als spirituelle Ausdrucksform. «Kirchenmusik wird als sinnstiftend, tief und berührend beschrieben» so der Dirigent, «als eine Form des Gebets oder der Glaubenserfahrung durch Musik.»

Häufig nennen die Chormitglieder zudem die Freude an geistlicher und klassischer Musik– an Werken von Mozart, Vivaldi oder anderen Komponisten. «Sie schätzen die Schönheit, Tiefe und den Anspruch dieser Musik», sagt Gietl. Auch der Chorleiter selbst wird als Grund für das Singen im Chor genannt, dessen Professionalität, Geduld und Inspiration.

All das zeigt: Der Chor ist für viele ein wichtiger Teil ihres Lebens. Nicht wenige sind seit ihrer Kindheit oder seit Jahrzehnten dabei und wurden durch Familie, Schule oder besondere musikalische Erlebnisse geprägt.

Und ein letzter, nicht minder wichtiger Punkt: Kirchenchöre ermöglichen und erhalten mit ihren Konzerten ein wichtiges Kulturgut. Durch die eintrittsfreien Konzerte (mit Kollekte) machen sie dieses Erlebnis allen Menschen zugänglich.

Eine Grosse Komposition zum stolzen Jubiläum

Zum grossen Jubiläum konzertiert der Kirchenchor St. Michael am 20. Dezember mit der Aufführung der «Messe solennelle de sainte Cécile» von Charles Gounod. Die musikalische Zusammenarbeit der Kirchenchöre St. Michael und St. Johannes und die 20 Gäste erlauben es besetzungstechnisch, eine solche grosse Komposition aufzuführen.

Gemeinsam mit Streichern aus dem Stadtorch      ester Zug, Instrumentalistinnen und Solisten aus der Umgebung, wird diese berühmte Messe in der Kirche St. Michael erklingen. Früher war es über viele Jahre Tradition, diese Messkomposition in der Mitternachtsmesse am Heiligen Abend aufzuführen. Aus verschiedenen Gründen hat man sich dagegen entschieden, solche üppigen Messvertonungen in Liturgien aufzuführen. Nun bringt der Kirchenchor St. Michael diese wieder zu Gehör.

Zudem erklingen am Konzertabend Werke von L. Spohr, R. v. Herbeck und F. Mendelssohn Bartholdy.​​ Die «Messe solennelle» zu Ehren der HI. Cäcilie von Charles Gounod, auch bekannt als «Cäcilienmesse», ist eines der bedeutendsten Werke der Kirchenmusik. Sie wurde 1855 komponiert und ist der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Kirchenmusik, gewidmet.

Die Komposition zeichnet sich durch ihre üppige Orchesterbegleitung aus. Zur Besetzung der Messe gehören drei Solostimmen, ein vierstimmiger Chor, ein grosses Orchester sowie die Orgel. Inhaltlich besteht sie aus den traditionellen Teilen des Ordinariums einer Messe: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. ​​Die Cäcilienmesse war zu Gounods Lebzeiten sehr beliebt und wurde in zahlreichen Ausgaben und Bearbeitungen veröffentlicht. Sie trug massgeblich zu seinem Ruf als bedeutender Komponist von Kirchenmusik bei. Auch heute noch wird die Messe regelmässig aufgeführt und gilt als ein Meisterwerk der französischen Romantik.

  • Jubiläumskonzert 135 Jahre Kirchenchor St. Michael: Sa, 20. Dezember, 19 Uhr, Kirche St. Michael, Zug. Eintritt frei, Kollekte.
  • Flyer