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111 Gesichter der Mutter Gottes

Im Marienmonat Mai präsentiert die Pfarrei Steinhausen ein Projekt, das ganz der hl. Maria gewidmet ist: Ein Kunstvideo der in Zug geborenen Annelies Štrba zeigt mehr als hundert Facetten der Mutter Gottes. Über eine Madonnen-Faszination, die schon im Kindsalter ihren Lauf nahm.

Pfarreileiter Ruedi Odermatt vor der Videoinstallation. Foto: Ramona Nock

Warum gerade die Madonna?

Das ist die Frage aller Fragen im Gespräch mit der Videokünstlerin und Fotografin Annelies Štrba. Im Schaffen der 78-Jährigen nimmt die Gottesmutter Maria eine zentrale Rolle ein. Unzählige Male hat Štrba die Mutter Jesu fotografisch eingefangen: in Kirchen und Kapellen, an Wallfahrtsorten und auf Gnadenbildern. Ihre Madonnenbilder, meist künstlerisch bearbeitet, hat sie schon verschiedentlich ausgestellt. Nun präsentiert sie in der Pfarrei Steinhausen ein Kunstvideo, das abwechselnd 111 Fotos der Mutter Gottes zeigt. Dies zunächst im Monat Mai im Don-Bosco-Kirchenraum im Zentrum Chilematt, danach im neu gestalteten Marienraum.

Immer wieder Maria

Auf dem Bildschirm zu sehen sind aber weit mehr als 111 Impressionen der Madonna, wie ein Augenschein vor Ort zeigt: In Zeitlupe geht ein Foto ins nächste über, 17 Minuten lang. Die Bandbreite der Marienbilder ist gross. Das Video zeigt Maria mal königlich thronend, mal innig zum Jesuskind auf ihrem Schoss geneigt, oft nur schemenhaft dargestellt, dafür stets in einer leuchtenden Farbexplosion. Die Fotos hat die Künstlerin am Computer digital bearbeitet, Konturen verwischt, verpixelt oder bis zur Unkenntlichkeit übermalt. Und doch ist es immer wieder die Madonna. Woher also diese Faszination?

Eines der vielen Bilder der Videoinstallation von Annelies Štrba. Foto: Ramona Nock

Annelies Štrba schmunzelt. Schon als Kind zog es sie, reformiert aufgewachsen, immer wieder in die katholische Kirche im Dorf. «Ich ging heimlich hin, wenn keiner da war», schildert sie. Nur der Pfarrer habe davon gewusst und ihr irgendwann einen Rosenkranz geschenkt. Was sie in der Kirche suchte? «Ich mochte die Atmosphäre, den Geruch und die Stille», erzählt Štrba. Und den Anblick der Gottesmutter Maria als Statue und auf Bildern. «Ich vermute, es ist das Mütterliche, das mich angezogen hat – die Geborgenheit, die Maria vermittelt.»

Diese Anziehung spüre sie noch heute: Maria sei schliesslich die Mutter aller Menschen. Zugleich trage jede Frau in sich das Urbild einer Madonna. «Wenn ich die Madonna betrachte, erkenne ich darin Frauen aus meinem Alltag», so die Künstlerin.

Videokünstlerin Annelies Štrba. Foto: zVg

Erstmals mit Videokunst

Ihren Weg in die Pfarrei Steinhausen fand das Madonnenvideo von Annelies Štrba über den kunstaffinen Pfarreileiter Ruedi Odermatt. Alle paar Jahre versuche er, finanziert vom Kulturfonds der Kirchgemeinde, ein Projekt mit bildender Kunst zu realisieren. Als Theologe sehe er «viele Berührungspunkte zwischen Kunst und Kirche», sagt Odermatt. Nun wage er erstmals einen Versuch mit Videokunst.

Das künstlerische Schaffen von Annelies Štrba lernte er vor rund zehn Jahren im Kunsthaus Zug kennen – und war fasziniert. Energetisch und «voller Leben» seien ihre Madonnenbilder. Als er dann vor einem Jahr erneut eine ihrer Ausstellungen besuchte, war klar, wen er für das nächste Projekt anfragen würde.

Passend zum Marienmonat Mai soll das Madonnen-Kunstvideo in Steinhausen zu mehr Innerlichkeit anregen, sagt Odermatt. Ihm gefällt die ständige und sachte Transformation der Andachtsbilder. Denn, so schlussfolgert er: Mehr Langsamkeit und Stille würde in der heutigen hektischen und durchökonomisierten Welt allen gut tun.

  • Gottesdienst mit marianischer Wortfeier: Sonntag, 3. Mai 2026 um  10.15 Uhr.
  • Matinee mit Text und Musik und der Künstlerin Annelies Štrba: 11.15 Uhr, Don-Bosco-Raum, Zentrum Chilematt Steinhausen.

Bis 31. Mai 2026 ist das Kunstvideo dort frei zugänglich, ab 1. Juni im Marienraum. Kleine spirituelle, marianische Texte liegen auf.