Am Pfingstsonntag haben die Jesuiten zusammen mit rund 180 Gästen Abschied vom Lassalle-Haus in Bad Schönbrunn genommen. Sie verlassen den Kanton Zug, nachdem das Bildungshaus vor einem Jahr seinen Betrieb eingestellt hatte.

Der Tag begann mit einer Eucharistiefeier und einer Predigt von Thomas Hollweck, Provinzial der Jesuiten in Zentraleuropa. Er blickte auf die langjährige gemeinsame Arbeit der Jesuiten mit zahlreichen Mitarbeitenden und Wegbegleitern zurück und würdigte das Lassalle-Haus als Zentrum für Spiritualität, Dialog und Verantwortung – ein Ort, an dem man Gott in allem suchen und finden konnte und der interreligiöse und ökumenische Begegnungen ermöglichte.
Zentrum der Spiritualität
Beim anschliessenden Apéro riche bot sich Gelegenheit zu Begegnung und Austausch. Ein Rückblick auf die Geschichte des Lassalle-Hauses präsentierten Studierende der Universität der Künste Berlin mit dem Kurzfilm «Alles hat seine Zeit». In seiner Grussbotschaft würdigte Stefan Doppmann, Präsident der VKKZ, das Lassalle-Haus als Gravitationszentrum der Spiritualität im Kanton Zug, das mit seiner Verbindung von christlicher Spiritualität und fernöstlicher Meditation ganz gut in den weltoffenen Kanton Zug gepasst habe. Daher habe die Kirche des Kantons Zug das Lassalle-Haus jahrelang mit namhaften finanziellen Beiträgen unterstützt.
Christof Arnold, Gemeindeleiter von Menzingen dankte den Jesuiten, dass sie den Menschen in Menzingen Orientierung und Einkehr geboten hätten. Nach langjähriger guter Zusammenarbeit mit der Pfarrei müssten sie nun nach Pfingsten ihre Wohlfühlzone verlassen, wie einst die Jünger Jesu.
«Das Unvorstellbare wird nun greifbar», bedauerte Gemeindepräsident Andreas Etter. Die Gemeinde Menzingen habe bis zum Weggang der Jesuiten von deren Präsenz in der Gemeinde profitiert. «Sie haben den Namen Menzingen in die Welt hinausgetragen.»
Als Vertreter des Bistums wies Urs Corradini darauf hin, dass Kirche Vielfalt sei. Diese erscheine manchmal auch sperrig. Mit dem Weggang der Jesuiten werde diese Vielfalt schwieriger spürbar. Er forderte den Orden auf, an den neuen Wirkungsorten wieder für Vielfalt zu sorgen.
An neuen Orten weiterwirken
Die Jesuiten in der Schweiz wollen zentrale Anliegen und Impulse ihres Wirkens in Bad Schönbrunn auch künftig in neuen Formen und an verschiedenen Orten weiterführen. Entsprechende Angebote, Kurse und Veranstaltungen sind bereits auf der neuen Plattform www.jesuiten.ch abrufbar.
Der Hotellerie- und Gastronomiebetrieb des Lassalle-Hauses war bereits Ende Juni 2025 eingestellt worden, weil das Haus seit einigen Jahren defizitär war. Alle Bemühungen, ein zeitgemässes Kursangebot zu schaffen, fanden nicht genügend Interesse, um ein so grosses Haus wirtschaftlich zu betreiben.
Nun soll die Liegenschaft in Bad Schönbrunn verkauft werden. Zusammen mit Partnern, die auf solche besonderen Gebäude spezialisiert sind, bereitet der Jesuitenorden ein Verfahren vor, das sowohl der Verantwortung für den gemeinnützigen Trägerverein als auch dem Respekt vor der spirituellen Tradition des Hauses gerecht wird.