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«Antirassismus ist Teil von Gottes Liebe»

Sarah Vecera kämpft für eine Kirche, in der alle Menschen als gleichwürdig angesehen werden unabhängig von Hautfarbe oder sexueller Identität. Als evangelische Theologin, Autorin und Influencerin bringt sie das Thema Antirassismus in den kirchlichen Diskurs – denn für sie gehört Gerechtigkeit untrennbar zu Gottes Liebe.

Die christliche Influencerin Sarah Vecera. Foto: Sarah Vecera

Sarah Vecera lebt in Wuppertal und arbeitet hauptberuflich als Bildungsreferentin bei der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). Als Theologin und Autorin engagiert sie sich intensiv für Antirassismus, insbesondere innerhalb der Kirche. Diskriminierung gegenüber People of Color oder homosexuellen Paaren möchte sie verhindern und neue Perspektiven aufzeigen. Bereits zwei Bücher hat sie dazu veröffentlicht: «Wie ist Jesus weiss geworden?» und «Gemeinsam anders». Doch nicht nur auf Papier, sondern auch in ihrem Podcast «Stachel&Herz» und auf ihrem Instagram-Profil @moyo.me setzt sie sich gegen Diskriminierung in der Kirche ein. «Mit meinen Beiträgen mache ich meine Perspektive als Person of Color in einer weiss dominierten Kirche deutlich», sagt Sarah Vecera. Doch warum tut sie dies?

Instagram als Sprachrohr nutzen

«Antirassismus ist meiner Meinung nach ein Thema, das zu wenig in den Kirchen vorkommt», betont sie. Um es im kirchlichen Kontext zu platzieren, nutzt sie Instagram «als Sprachrohr». «Ohne die Plattform würde ich die evangelische Kirche in Deutschland sowie die Menschen in den Pfarreien nie so gut erreichen», erklärt sie. Doch Sarah Vecera geht es nicht nur um die grosse Reichweite von Instagram und die damit verbundene, hohe Bekanntheit. Vielmehr treibt sie ihr tiefer Glaube an. «Religion und Theologie sind beides sehr grosse Teile meines Lebens, meiner Identität.» Gott sei immer an der Seite derer, die unterdrückt würden. Gerechtigkeit sei Gott wichtiger als Harmonie, so Vecera. Deshalb erhebe sie «Einspruch» und zeige neue Wege auf in einer weiss dominierten Kirche. Das sei für sie jesuanisch. So betont Sarah Vecera: «Antirassismus ist Teil von Gottes Liebe.» Vor allem in den letzten Jahren ist es für die Theologin immer wichtiger geworden, einzelne Menschen zu erreichen, anstatt die Institution Kirche verändern zu wollen. Und damit hat sie Erfolg: Über 17'000 Followerinnen und Follower zählt ihr Profil. «Es folgen mir viele Menschen, die gar nichts mit Kirche zu tun haben, und ich glaube, dass wir auf diese Weise einander mehr zuhören.»

Instagram-Post von Sarah Vecera zu Blackfacing bei den Sternsingern. Foto: Instagram/moyo.me

Was an Sternsingen rassistisch ist

Am Dreikönigstag am 6. Januar pflegen Christinnen und Christen den Brauch der Sternsinger. Kinder und Jugendliche ziehen als die Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus, singen Dreikönigslieder und erinnern dadurch an den Besuch des Jesuskindes. Da gemäss der christlichen Legende einer der drei Könige schwarz war, schminken sich einige der Kinder und Jugendliche schwarz. Das Problem dabei: «Für schwarze Menschen ist es verletzend, wenn Schwarzsein als Kostüm betrachtet wird und sich weisse Menschen das Gesicht schwarz anmalen», steht unterhalb des Instagram-Posts von Sarah Vecera (siehe Abbildung).

Der Beitrag spannt den Diskurs über Rassismus in der christlichen Glaubensgemeinschaft auf. Seit der Black-lives-matter-Bewegung hat dieses Thema an Bedeutung gewonnen. Der Diskurs handelt von rassistischen Ereignissen in den Kirchen der Schweiz, in Deutschland sowie in der weltweiten Ökumene. Auch geht es um Darstellungen unterschiedlicher Menschen, von Schwarzen Menschen auf Spendenplakaten bis zu jener eines Weissen Jesus. Mit diesen Darstellungen kann der Brauch des Blackfacings am Dreikönigstag in Verbindung gebracht werden. Dies zeigt, wie tief Rassismus in der Gesellschaft verankert ist, und wie notwendig Sarah Veceras Engagement ist.

HINWEIS
Der Artikel bezieht sich auf die Bachelorarbeit «Religiöse Influencerinnen auf Instagram», einer Qualifizierungsarbeit der ehemaligen ZHAW-Studentin Melanie Schnider.