Lieber Stefan
Ende Juni hast Du nach fast fünf Jahren intensiven Einsatzes zum letzten Mal als Präsident die Sitzung des Präsidiums der Vereinigung der Katholischer Kirchgemeinden im Kanton Zug geleitet. Mit diesem Schritt hast Du mir nun die Verantwortung als Nachfolger übergeben. Dieser Übergang markiert nicht nur eine Amtszeit, sondern ein Stück Geschichte der VKKZ.
Dienst an der Kirche
Über längere Zeit hatte sich niemand gefunden, der bereit war, das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Da hast Du 2021 die Lücke gefüllt – nicht aus Bestreben nach präsidialer Macht oder öffentlicher Aufmerksamkeit, sondern schlicht, um der Katholischen Kirche Zug einen Dienst zu erweisen. Diese Haltung hat Dein gesamtes Wirken geprägt.
Das Rampenlicht hast Du nie gesucht. Doch wenn es nötig war, wenn die Kirche klar Stellung nehmen musste, hast Du markant Position bezogen: Zum Engagement der Pfarreien im gesamtgesellschaftlichen Interesse, beim sensiblen Umgang mit Missbrauchsfällen oder bei der schwierigen Debatte um den Sinn des Zölibats.
Kommunikation als Fundament
Selber Kommunikationsberater von Beruf verstehst Du, dass offene und transparente Kommuni-kation das Fundament jeder glaubwürdigen Institution bildet. Dass es jetzt neu im Präsidium das Ressort Kommunikation gibt, ist eine direkte Folge Deines und des Präsidiums mutigen und kurzentschlossenen Entscheides vor drei Jahren, die Fachstelle Kommunikation mit einer neuen Stelle zu verstärken.
Die Entscheidung war nicht selbstverständlich. Die Wirkung jedoch spricht für sich: Heute erreicht die Botschaft der Katholischen Kirche Zug weit herum erhöhte Wahrnehmung – genau das war ihr Ziel und der Newsletter VKKZ-Direktzug ist ein greifbares Resultat davon.
«Kirche mit Zug» – Ein Herzensanliegen
Das Projekt «Kirche mit Zug» war Dir ein Herzensanliegen, die VKKZ hat es im Auftrag der Pastoral mit grossem Einsatz angeschoben und begleitet. Es geht darum, in der heutigen Zeit die Kirche zukunftsfähig zu machen, auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren und ihren Kern wieder stärker in den Fokus zu rücken.
Wichtig war Dir jederzeit auch der Einsatz für die Belange des Bistums. Darin zeigte sich Deine Haltung: Lokales Engagement braucht kirchliche Verbundenheit.
Netzwerke, die Türen öffnen
Dein breites Netzwerk war für die VKKZ enorm wertvoll: Politisch, wirtschaftlich und kirchlich hast Du gewusst, wo offene Türen zu finden sind oder mindestens, wo man einen Schlüssel für geschlossene Türen finden kann.
Dein breites historisches Wissen hat uns oft weitergeholfen. Zusammenhänge waren für Dich nie isolierte Fakten, sondern lebendige Entwicklungen, die Du uns oftmals höchst unterhaltsam eröffnet hast.
Präsident der staatskirchlichen Behörde
Mit einem weiten Horizont und immer auch den Anliegen der Pastoral im Blick hast Du Deine Aufgabe wahrgenommen. Die jährliche Wallfahrt nach Einsiedeln gehörte zu Deinen Lieblingsanlässen. Warum? Weil das Ziel spirituell war und in den Begegnungen unterwegs viel wertvolles Zwischenmenschliches geschah. Gern erinnern wir uns an die launigen Reden beim kalten Plättli am Abend. Da liefst Du jeweils zur Hochform auf und hast Storytelling vom Feinsten abgeliefert. Solche Momente bleiben länger haften als jede offizielle Rede.
Wege bereiten, Hindernisse beseitigen, Orientierung geben
Rückblickend ist mir ein Bibelvers aus dem Lukasevangelium präsent, der wie ein Leitvers über Deinem präsidialen Wirken hätte stehen können – oder gestanden hat, wer weiss: «Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Strassen!» (Lukas 3,4). Anders gesagt: Wege bereiten, Hindernisse beseitigen, Orientierung geben – genau das hast Du getan.
Im Namen der Delegiertenversammlung, des Präsidiums, der Verantwortlichen der Kirchenräte und der Pastoral, der Spezialseelsorgen und Fachstellen sowie aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VKKZ danke ich Dir für Deinen Dienst, Deine Weitsicht und Deine Menschlichkeit.
Wir wünschen Dir gute Gesundheit und freuen uns auf das weitere gemeinsame Unterwegssein – spätestens an der nächsten Wallfahrt nach Einsiedeln.
Patrice Riedo, Präsident VKKZ