Der Pastoralraum Zug-Walchwil will den Zugang zur Firmung künftig offener gestalten

«Vom Glück, ein Kind Gottes zu sein»: Unter diesem Leitgedanken steht der neue Ansatz des Pastoralraums Zug-Walchwil bei der Firmung von jungen Erwachsenen. Dieser setzt auf die Eigenverantwortung von Interessierten. Der Ansatz ist neu und einzigartig im Bistum Basel.
Ein Zeichen der inneren Verbundenheit mit Gott. Und eine Stärkung des eigenen Glaubens: Mit dem Sakrament der Firmung sagen junge Erwachsene selbstständig Ja dazu, als Christ oder Christin zu leben. Den Weg zu diesem Sakrament gestaltet der Pastoralraum Zug-Walchwil neu. «Anstatt einen linearen, vorgegebenen Pfad anzubieten, schaffen wir offene Räume der Begegnung und des Austauschs», heisst es im neuen Leitbild des Pastoralraums. Dieses ist während zwei Jahren entstanden und gilt ab 2027. Das Pastoralraumteam habe sich in intensiv mit der Zukunft der Firmung auseinandergesetzt und die Vorbereitung darauf neu konzipiert.
«Die Kirche schreibt nicht vor»
Was das konkret bedeutet, erläutert Martin Brun, Fachverantwortlicher Jugendarbeit: «Ab 2027 firmen wir in unserem Pastoralraum nicht mehr in den einzelnen Pfarreien. Neu gehen wir in eine Haltung des ‘nicht Wissens‚ was Gottes Intention ist.» Man behandle die Firmung wie auch andere Sakramente. Will heissen: Wenn jemand ein Sakrament erhalten möchte, meldet sich die Person von sich aus. «Die Vorbereitung auf ein Sakrament liegt in der Verantwortung der Empfangenden. Die Kirche begleitet und unterstützt wo gewünscht. Sie schreibt nicht vor», erklärt Brun. Im Bistum Basel sei diese Haltung einzigartig – «das macht sonst niemand.»
Empfohlen ab 17
Damit bricht der Pastoralraum Zug-Walchwil mit der alten Tradition, dass die Orts-Kirche vorschreibt, in welchem Alter sich die Kinder firmen lassen. Und auch, welche Kurse sie wann besuchen müssen, um die Firmung zu erhalten. «Wir empfehlen die Firmung gemäss Anraten des Bischofs ab 17, schreiben es jedoch nicht vor», führt Brun aus. Verpflichtend seien nur zwei Termine: der «Probeworkshop» für die Firmfeier und die Firmung selbst. Alles andere sei freiwillig. Für die Anmeldung seien die jungen Erwachsenen selbst zuständig.
Begleiten und unterstützen
Ein zentrales Element des neuen Ansatzes sei die Förderung von Eigenverantwortung. «Wir ermutigen die Firmandinnen und Firmanden, aktiv ihre eigene spirituelle Reise zu gestalten und Verantwortung für ihren Glaubensweg zu übernehmen», so der Wortlaut im neuen Leitbild. Und man respektiere die Diversität der Teilnehmenden in Bezug auf Sprache, kulturellen Hintergrund, persönliche und religiöse Identität.
Somit verstünden sich die begleitenden Seelsorgenden nicht «als Anbieter vorgefertigter Lösungen», sondern viel mehr «als Begleitende, die Unterstützung und Orientierung bieten, wo sie gebraucht werden». Die Haltung gründe in der Überzeugung, «dass Gottes Geist bereits in jedem Menschen wirksam ist». Dies werde in der Firmung gefeiert – denn firmare bedeutet stärken und ermutigen. «Wir sehen unsere primäre Aufgabe darin, diesem Geist zu vertrauen und ihm Raum zur Entfaltung zu geben», heisst es im Leitbild zur Firmung weiter.
Freiwilliges Bibellesen
Welche freiwillige Vorbereitung zur Firmung Interessierte besuchen möchten, ist ihnen selbst überlassen. Angeboten werde ein breites Spektrum an Aktivitäten, führt Martin Brun aus: Zum Beispiel Abende mit Glaubensgesprächen, Bibellesen sowie Exkursionen und Pilgerreisen. Auch Wissensvermittlung und religiöse Praxis wie Gebet, Gottesdienst und Meditation könne die Vorbereitung auf Wunsch umfassen. Diese Veranstaltungen werde der Pastoralraum offen ausschreiben. Somit könnten alle interessierten jungen Erwachsenen daran teilnehmen.
Der neue Ansatz ziele darauf ab, «die Firmung als lebendigen, inspirierenden Prozess zu gestalten, der das christliche Leben in der modernen Welt bereichert».
Mehr Infos: www.katholisch-zug-walchwil.ch/ angebote/firmung