Der Traum von der Unsterblichkeit beschäftigt die Menschheit seit jeher – und neueste, KI-gestützte Technologien scheinen diesem Ziel näher zu kommen als je zuvor. Doch was bedeutet Unsterblichkeit wirklich? Und wo ist sie zu finden? Diese Fragen beleuchtete die angehende Religionspädagogin Jenny Gmünder in einem Referat im Rahmen der Erwachsenenbildung «Am Puls der Zeit» in der Pfarrei St. Martin in Baar.

KI-Brillen, Schnittstellen von Gehirn und Computer, ein in der Cloud gespeichertes Bewusstsein. Viele dieser Entwicklungen sind nicht mehr blosse Science-Fiction. Sie entspringen einer weltanschaulichen Bewegung namens Transhumanismus. Deren Ziel ist es, den Menschen durch Technologie zu optimieren: Krankheiten wie Demenz oder Krebs sollen durch Gentechnik besiegt, der Alterungsprozess gestoppt, ja sogar der Tod überwunden werden.
Jenny Gmünder hat ihre Diplomarbeit zu diesem Thema am Religionspädagogischen Institut RPI Luzern verfasst und gab in ihrem Vortrag einen faszinierenden – und zugleich beunruhigenden – Einblick in diese Ideologie.

Verschmelzung von Mensch und Maschine
Ein konkretes Beispiel: die «Even Realities G1», eine Hightech-Sonnenbrille von Ray-Ban mit integrierten Displays. Gesteuert durch eine Künstliche Intelligenz in den Brillenbügeln, projiziert sie in Echtzeit Informationen direkt ins Sichtfeld – von WhatsApp-Nachrichten über Aktienkurse bis hin zu automatischen Untertiteln für das echte Leben in verschiedenen Sprachen.
Ein weiteres Beispiel stammt aus der Trauerarbeit. Forscher verfolgen das Ziel, das Bewusstsein eines Menschen in einer Cloud hochzuladen und zu speichern. «Nach dem Tod könnten Trauernde dieses digitalisierte Bewusstsein abrufen und mit der verstorbenen Person kommunizieren», berichtete Jenny Gmünder. Im Pfarreizentrum St. Martin war es mucksmäuschenstill. Gefesselt von diesen Ausführungen lauschte das Publikum der Referentin.

Ewiges Leben liegt in unserem Inneren
Doch brauchen wir für mediale Fähigkeiten und für das Unsterblichsein wirklich eine Maschine? Aus christlich-ethischer Perspektive heisst die Antwort eindeutig: Nein. «Die Bibel (Genesis 1,26) beschreibt den Menschen als Geschöpf und Abbild Gottes. «Deshalb bleiben wir immer Abbild Gottes, ganz gleich, wie sehr wir uns technisch optimieren», betonte Jenny Gmünder.
«Nach dem Abbild Gottes geschaffen» zu sein, bedeutet: Der Mensch ist ein Spiegelbild Gottes, das göttliche Eigenschaften in sich trägt. Daraus leiten sich Würde, Wert und ein tiefer Lebenssinn ab – unabhängig von technologischen Eingriffen. In jedem Menschen liegt eine göttliche Dimension.
Der Theologe Augustinus von Hippo verortete dieses «Imago Dei» im menschlichen Geist, im Bewusstsein. Der Sohn – Jesus Christus – steht dabei für die Erkenntnis Gottes. «Durch Jesus ist Gott Mensch geworden», erklärte Gmünder. «In ihm erkennen wir Gott.»
Nach christlichem Verständnis ist der Mensch neben physischem Wesen auch ein geistlich-spirituelles. Er besitzt eine Seele, ist fähig, Gottes Gegenwart zu erfahren und mit ihm in Beziehung zu treten. In dieser Beziehung liegt der Schlüssel zur eigentlichen Unsterblichkeit.