Die Pfarrkirche Gut Hirt in Zug war im Heiligen Jahr eine von elf Pilgerkirchen des Bistums Basel. Pfarrer Kurt Schaller erzählt, wie er in diesem Jahr spürbar mehr Beichtgespräche führte, warum er dies auf eine tiefliegende Sehnsucht aller Menschen zurückführt – und weshalb das Sakrament der Versöhnung ein ganz grosses Geschenk sei.
Ein Ort, an dem wir immer wieder neu mit Gott und unserem Leben versöhnt werden. An dem wir mit all unseren Fehlern, Nöten oder Lebensbrüchen angenommen werden. Das ist die Beichte – das Sakrament der Versöhnung oder der Heilung, wie Kurt Schaller es gerne nennt.
Kurt Schaller ist Priester in der Pfarrei Gut Hirt in Zug, eine der Pilgerkirchen des Bistums Basel im Heiligen Jahr 2025. Wer dort durch die Pforte geht, dem wird unter bestimmten Voraussetzungen wie Kommunion und Beichtsakrament «das volle und lebensbejahende Ja von Gottes versöhnender Liebe angeboten», wie Schaller ausführt. Dies in Anlehnung an die Heiligen Pforten in Rom.
Die Beichte – ein alter Zopf oder noch ein aktuelles Sakrament?
Schaller erlebt eher Letzteres: Im Heiligen Jahr 2025 suchten deutlich mehr Menschen die wöchentlichen Beichtgelegenheiten seiner Pfarrei auf. Darunter auffallend viele jüngere Menschen. Sie seien vielleicht biografisch weniger vorbelastet, hätten das Beichten als Kind nicht als Zwang erlebt, sondern in der Primarschule als schöne Erfahrung auf dem Versöhnungsweg. Grundsätzlich erklärt Schaller die Nachfrage aber mit einem Bedürfnis, das Menschen aller Altersgruppen teilen: «Der Wunsch und die Sehnsucht, Sinn, Heil und Erleichterung im Leben zu erfahren, etwas loslassen zu können und hoffnungsvoll weiterzugehen – im Wissen, dass man angenommen und geliebt ist.»
Die Beichte sei in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund geraten, räumt Schaller ein. Er bedaure dies: «Denn es betrifft den Kern unseres christlichen Glaubens: die Heilung – wo wir doch an einen Heiland glauben.»
Das Heilige Jahr 2025 bot laut Schaller eine Chance, dieses «vergessene Sakrament» wieder ins Gespräch zu bringen. Denn es sei «ein Liebesangebot von Gott», ein wunderbares Angebot der Heilung und Versöhnung. «Ein grosses Geschenk.»
Deutliche Zunahme von Beichtgesprächen
Schaller stellt fest: Je mehr er dieses Sakrament zum Thema macht, desto häufiger wird es in der Pfarrei genutzt . Gerade von jenen, die schon länger nicht mehr gebeichtet hätten. In Gut Hirt erscheinen an manchen Samstagen so viele zur 45-minütigen Beichtgelegenheit, dass Schaller gar nicht alle berücksichtigen kann. Manchmal seien es auch nur ein oder zwei Personen. Aber dass gar niemand vorbeikomme, sei eher selten.
Das Spektrum in Gut Hirt sei sehr international, die Zunahme der Beichtgespräche gerade bei den Englisch sprechenden Gläubigen deutlich.

Was brennt den Menschen auf der Seele?
Die Bandbreite der Themen sei gross, sagt Schaller. Grundsätzlich stehe bei allen der Wunsch dahinter, «im Leben wieder Sinn und Stärke zu finden», fasst er zusammen. Manche seien anfangs etwas gehemmt. Ihnen hilft es, wenn er Fragen stellt: Was gibt dir Sinn in deinem Leben? Wie erlebst du deine Gottesbeziehung? Wo spürst du Schwierigkeiten, auch in der Beziehung mit deinen Nächsten? Doch Schaller versichert: Wichtiger als ein «korrekter Ablauf» sei, sich vorher ein paar Gedanken zu machen. «Zu überlegen: Was möchte ich Gott ins Herz legen? Was möchte ich mit ihm teilen?» Und natürlich: «Dass man sogar vor der Beichte möglichst den verursachten Schaden wieder gut macht.»
Beichte als Seelentraining
Auch Schaller selbst geht regelmässig beichten – «ich brauche das auch!», sagt er schmunzelnd. Ein Priester habe dieselben menschlichen Bedürfnisse wie alle anderen auch. In der Regel suche er für die Beichte einmal im Monat seinen geistlichen Begleiter auf. Für Schaller ist jedes Beichtgespräch ein Geschenk. «Ich freue mich, wenn die Menschen in dieser Begegnung Vergebung und Kraft fürs Leben finden.» So gesehen sei die Beichte nicht nur seelsorgerlich, sondern auch psychologisch bedeutsam.
Offen sein für die Gnade Gottes
Die zentrale Frage laute grundsätzlich: «Was mache ich mit der Schuld, die ich spüre? Wie kann ich zu dem stehen, was mir nicht gelungen ist?» Dieses genaue Hineinhorchen in sich selbst sei wichtiges «Seelentraining». Und dass die Beichte etwas bewirke, davon ist der Gut Hirt-Priester überzeugt: «Es ist hilfreich, wenn die Beichtenden offen sind für die Gnade Gottes – für das, was Gott ihnen schenken möchte: Vergebung, Trost und Heil, letztlich Leben, Freude, Glück und Zukunft.»
Dieses Angebot von Gott, Heil zu schenken, ende überdies nicht mit dem Heiligen Jahr am 6. Januar 2026 (bzw. am 4. Januar in Gut Hirt), betont Kurt Schaller. «Wie einst die drei Könige, sind wir angehalten, diese ‘good news von Gottes Liebe und Barmherzigkeit'‚ weiter in die Welt hinauszutragen.»