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«Die Kirche lebt!»

Rund viereinhalb Jahre lang präsidierte der Baarer Stefan Doppmann die Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ). Über eine Aufbruchstimmung, die Mut macht, schwierige Momente im Amt und was er der Kirche für die Zukunft wünscht.

Stefan Doppmann, scheidender VKKZ-Präsident (Foto: Ramona Nock)
Stefan Doppmann, scheidender VKKZ-Präsident, im Garten der Kirchgemeinde Baar (Foto: Ramona Nock)

Ende Juni werden Sie Ihr Amt als VKKZ-Präsident abgeben. Wie blicken Sie diesem Moment entgegen?

Stefan Doppmann:
Solche Übergänge haben immer zwei Seiten. Es gilt, vieles loszulassen, das einem lieb ist. Man kann sich aber auch von einigen Dingen verabschieden, die man nicht vermissen wird. Eine solche Situation bietet zudem die Chance, sich selber wieder neu auszurichten und neue Aufgaben ins Visier zu nehmen.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Es gab vieles, das uns beschäftigt hat: Unter anderem haben wir ein neues Personalreglement eingeführt und das Projekt «Kirche mit Zug» angeschoben. Mit Letzterem haben wir neue Wege gesucht, um jene Menschen zu erreichen, die wenig Bezug zur Kirche haben. Stark beschäftigt hat uns die noch hängige Motion zur Weiterentwicklung der Kirchensteuer für juristische Personen. Hier haben wir vor der Kantonsratsdebatte versucht, unseren Standpunkt einzubringen und die Zuger Kantonsrätinnen und -räte mit Informationen zu versorgen. Das ist uns, denke ich, gelungen.

Und was ist weniger gelungen?

Stark herausgefordert hat uns die Bewältigung der Folgen des Missbrauchs in der katholischen Kirche. Die Vorstudie, die im September 2023 veröffentlicht wurde, hat uns alle erschüttert. Es ist richtig, dass die schlimmen Geschehnisse aufgearbeitet werden und die Opfer eine Stimme erhalten. Wir müssen aber weiter daran arbeiten, aufzuzeigen, wie viel die Kirche inzwischen in die Prävention investiert – gerade vor dem Hintergrund, dass viele dieser Fälle zum Teil Jahrzehnte zurückliegen. Was wir zu wenig ins Bewusstsein der Menschen rücken konnten: Die Landeskirchen, die Bischöfe, die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz und die Ordensgemeinschaften haben die Studie der Uni Zürich zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Auftrag gegeben. Viele glauben immer noch, die Universität Zürich habe die Missstände von sich aus aufgedeckt.

Worüber haben Sie sich im Gegenzug während Ihrer Amtszeit am meisten gefreut?

Zu erleben, wie viele Menschen sich für die Kirche einsetzen und Kirche erlebbar machen – in unserem Kanton, im Bistum und im ganzen Land. Ich habe in synodalen Versammlungen, aber auch in den Veranstaltungen im Rahmen unseres Reformprojekts «Kirche mit Zug» oder auch in der «Langen Nacht der Kirche» eine Aufbruchstimmung erlebt, die Mut macht und Freude bereitet. Die Kirche lebt! Es gibt in der Kirche eine grosse Vielfalt an Möglichkeiten, zahlreiche Plattformen und Begegnungsorte, um Gemeinschaft zu erleben. Wir müssen das in den Vordergrund setzen und nicht die Austrittszahlen.

Sie haben Ihren Rücktritt bei der VKKZ aufgrund der neuen Organisationsstruktur angekündigt. Wie blicken Sie dieser entgegen?

Die angeschobene Strukturreform ist für die katholische Kirche des Kantons Zug eine gute Sache. Die VKKZ gewinnt dadurch an Statur und kann in Zusammenarbeit mit der pastoralen Seite die Weiterentwicklung der Kirche besser steuern und flexibler auf Herausforderungen reagieren. Und solche stehen uns grosse ins Haus. Was meine Person betrifft: Weil künftig die Ebene der Kirchenräte aller Pastoralräume im Präsidium vertreten sein soll und auch eine zweite Vertretung aus der Pastoral Einsitz nehmen wird, ist für mich als Kirchenschreiber in der neuen Organisation keine Rolle mehr vorgesehen – das nehme ich nicht persönlich.

Welche Weiterentwicklung wünschen Sie der katholischen Kirche im Kanton Zug?

Meine Vision war es immer, als Kirche relevante Plattformen für Begegnung, Gemeinschaft und das gemeinsame Erleben des Glaubens zu schaffen. Diese sollen so beschaffen sein, dass möglichst viele Menschen die Angebote der Kirche wahrnehmen, nutzen und wertschätzen. Das wünsche ich der Kirche des Kantons Zug: Dass sie relevant bleibt und für mehr Menschen an Relevanz gewinnt.

Wofür werden Sie die freie Zeit nutzen, die nun vermehrt auf Sie zukommt?

Ich werde mein Pensum als Kirchenschreiber der Kirchgemeinde Baar erhöhen. Nebenbei werde ich in der Unternehmenskommunikation weiterhin Aufträge als selbstständiger Texter und Berater ausführen. Zudem bin ich als Historiker in diverse regionale Projekte involviert. Seit Kurzem bin ich überdies zweifacher Grossvater. Da öffnet sich privat ebenfalls ein neues Kapitel und ich freue mich hier auf viele schöne Begegnungen. Langweilig wird es mir also nicht werden.

Interview: Ramona Nock