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«Fitness ist unser Weg für mehr Selbstbestimmtheit»

Durch Sport die Selbstermächtigung von Frauen zu fördern, das ist Seher Danismans Vision. Mit ihren Fitness-Beiträgen auf dem Profil @coach_seher und ihrem Unternehmen für Sport-Hijabs setzt sie diese in die Tat um.

In diesem Post vergleicht Seher Danisman die muslimische Gebetshaltung (links) mit einer Yogaübung (rechts).

Sport treiben – auch mit Hijab? Für viele muslimische Frauen ist das keine Selbstverständlichkeit. Zu gross ist oft die Angst, das Kopftuch könnte verrutschen oder man verstosse gegen religiöse oder gesellschaftliche Erwartungen. Genau hier setzt die Sportwissenschaftlerin Seher Danisman an: Auf ihrem Instagramprofil @coach_seher motiviert sie muslimische Frauen, Sport zu treiben.

Unternehmen für Sport-Hijabs

Um den besonderen Herausforderungen sporttreibender Hijab-Trägerinnen zu begegnen, hat Danisman das Unternehmen Fitspirated gegründet. Dort vertreibt sie Sport-Hijabs, die sowohl sicheren Halt als auch Bewegungsfreiheit bieten. «Wir machen damit keine Kompromisse und stellen unseren Glauben an erste Stelle», schreibt sie auf der Unternehmenswebsite, «Fitness ist unser Weg für mehr Selbstbestimmtheit, Erfolg und Selbstbewusstsein». Genau diese Vision verfolgt die Muslimin auch auf ihrem Instagramprofil.

Barrieren überwinden – körperlich und mental

Danisman selbst joggt, rudert oder schwimmt mit grosser Leidenschaft. Doch sie weiss: Für viele Frauen ist der Zugang zum Sport mit Hürden verbunden. «Meine Vision ist es, Frauen weltweit zu inspirieren, ein aktives, gesundes Leben zu führen, das Körper, Geist und Seele in Einklang bringt – ohne Einschränkungen in ihrem Glauben oder Lebensstil.»
Immer wieder erhält die Muslimin Rückmeldungen. «Kürzlich schrieb mir eine Followerin, sie hätte sich überwunden, einem Volleyballverein beizutreten.» Trotz ihrer Freude, andere zu inspirieren, sieht sich Danisman nicht als Influencerin. «Ich verstehe mich als Unternehmerin, die ihre Message rüberbringen möchte.» Instagram nutzt sie aufgrund der Effektivität: Mit der Plattform kann sie jederzeit viele Menschen erreichen. Ihr Profil zählt über 7'000 Follower (Stand Juli 2025).

Islam oder Hinduismus?

In ihren Posts verbindet Danisman Interkulturalität und Interreligiösität im Sport, wie der abgebildete Beitrag zeigt. In diesem vergleicht sie die muslimische Gebetshaltung «Qiyam» (links) mit der Yogaübung «Tadasana» (rechts), welche ihren Ursprung im Hinduismus hat. Sofort fällt auf: Die Körperpositionen sind praktisch identisch, nicht aber die Absicht (arabisch: «Niyyah») dahinter. «Links habe ich die ‹Niyyah›, mich Allah zu nähern, und gehe meiner Pflicht nach, zu beten», schreibt sie unter dem Post. Rechts verehre sie keinen hinduistischen Gott, «rechts mache ich Yoga und gehe der Pflicht nach, meinen Körper wertzuschätzen, um meine Gesundheit zu wahren».

So schlussfolgert sie, dass muslimische Menschen Yoga praktizieren dürfen, wenn sie damit die Absicht haben, etwas Gutes für ihren Körper zu tun. Mit solchen Inhalten möchte sie Vorbehalte abbauen, Ängste nehmen und zeigen, dass sich Sport und Glaube nicht ausschliessen – im Gegenteil.

HINWEIS
Der Artikel bezieht sich auf die Bachelorarbeit «Religiöse Influencerinnen auf Instagram», einer Qualifizierungsarbeit der ehemaligen ZHAW-Studentin Melanie Schnider.