Sie beten den Rosenkranz nicht nur – sie knüpfen ihn auch gleich selber: Gegen 1200 Rosenkränze haben Barbara und Stefan Käppeli mit ihren fünf Kindern schon hergestellt. Sie erzählen, wie sie dieses Handwerk pflegen, warum es sie als Familie zur Ruhe kommen lässt und weshalb in schlechter Stimmung kein schöner Rosenkranz gelingt.

Perlen, so weit das Auge reicht: Blau, rot, gold – es funkelt aus unzähligen kleinen Schatullen auf dem Esstisch der Familie Käppeli in Hünenberg. Dazwischen: Kordeln, kleine Zangen, Pinzette, Schere, ein Kästchen mit silbernen Medaillen und eines mit Kleinstperlen in der Grösse eines halben Reiskorns.
Auf den ersten Blick wähnt man sich in einem Schmuckatelier – doch halt! Das sei es eben nicht, sagt Familienvater Stefan Käppeli: «Wir fertigen hier keinen Schmuck an, sondern Rosenkränze.» Ein Rosenkranz besteht aus aufgefädelten Perlen und wird für das Rosenkranzgebet verwendet (siehe Kasten). Die Rosenkränze, die bei Familie Käppeli entstehen, werden am Schluss von einem Priester gesegnet und somit zu einer Sakramentalie.
An diesem Vormittag im August ist viel los im Haus der siebenköpfigen Familie in Hünenberg. Die Kinder haben noch Schulferien und die jüngeren wuseln abwechselnd um den Esstisch herum. Die achtjährige Flavia bringt ein prall gefülltes «Schatztruckli» mit besonders schönen Rosenkränzen an den Tisch, die sie zu speziellen Anlässen bekommen oder selber angefertigt hat: «Den hier zur Erstkommunion, den zur ersten Beichte», erzählt sie, während sie einen nach dem anderen durch die Finger gleiten lässt. Auch ihr jüngster Bruder Robin (6) zeigt, welcher Rosenkranz kürzlich mit Mamas Hilfe fertiggeworden ist.
Seit vielen Jahren knüpfen Barbara und Stefan Käppeli mit ihren Kindern regelmässig Rosenkränze. Ein Holzständer mit dutzenden Gebetsketten in der Mitte des Tischs zeugt davon – allesamt sind handgefertigt. Zwischen 80 und 120 Rosenkränze hätten sie jeweils vorrätig, sagt Barbara Käppeli. An jedem Unikat baumelt ein kleines Zettelchen «handmade with love».

Schlicht oder aufwändig
Gegen 1200 Rosenkränze haben sie über die Jahre hinweg zusammen angefertigt, schätzt Käppeli. Manche sind mit schlichten Holzperlen geknüpft, andere mit Perlen aus Glas, Acryl, Perlmutt oder Edelstein. Und es gibt solche mit winzigen Goldkrönchen zwischen den einzelnen Perlen. Für Rosenkränze mit mehr Aufwand braucht Barbara Käppeli rund vierzig Minuten, für die schlichten nur halb so lange.
Auch die Medaille in der Rosenkranzmitte variiert – mal ziert sie die Mutter Gottes, mal der Barmherzige Jesus oder verschiedene Heilige. Je nach persönlichem Geschmack, denn viele Rosenkränze fertigen die Käppelis als Geschenk an oder gegen eine kleine Spende für Menschen in ihrem Umfeld. Sie beliefern auch ein katholisches Missionswerk, mit dem sie verbunden sind. Diese Rosenkränze sind dann an Exerzitien oder anderen Anlässen gegen eine Spende erhältlich.
Handwerk selber beigebracht
Der Rosenkranz als Gebet ist für die Familie ein wichtiger Teil des Alltags: Das Gebet trage sie in ganz vielen Lebenslagen und helfe, im teils hektischen Grossfamilienalltag zur Ruhe zu kommen, erzählt Barbara Käppeli.
Mit dem Rosenkranzgebet sind sie und ihr Mann Stefan, beide katholisch aufgewachsen, von Klein auf vertraut. Das Knüpfen der Rosenkränze hat sich Stefan Käppeli in seinen Zwanzigern selber beigebracht, als er in Rom auf ein «Rosenkranz-Kit» zum Selbermachen stiess. Als das heutige Ehepaar bei Radio Gloria arbeitete und im Rahmen einer Spendenaktion Rosenkränze verschenkte, hat die beiden «das Fieber gepackt». Nun führen sie diese Tradition mit ihrer Familie weiter.
Ihre fünf Kinder zwischen sechs und zwanzig Jahren nehmen unterschiedlich daran teil: Gerade die jüngeren brauchen noch Hilfe bei dem Knoten, der jeweils nach zehn Perlen folgt. Sie staune aber immer wieder, wie sehr sich die Kinder in die Arbeit vertiefen könnten, sagt Barbara Käppeli.

Der Knoten sei übrigens der kniffligste Teil der Arbeit. Aufgefädelt auf einem kleinen Metallstab, den sie notabene aus kaputten Regenschirmen gewinnen, muss er danach gleichmässig straff gezogen werden. Auch der richtige Abstand zwischen den Perlen ist wichtig, damit ein Finger dazwischenpasst. Und: Im Ärger könne kein Rosenkranz gelingen: «Wenn die Kinder genervt oder gestresst sind und in der Eile knüpfen wollen, klappt es oft nicht», erzählt die fünffache Mutter. Ihren Kindern sage sie dann: Mach eine Pause und versuch es später noch einmal. «Nur wer den Frieden im Herzen hat, kann Rosenkränze knüpfen.»
Der Rosenkranz und seine Geheimnisse
Wenn man vom Rosenkranz spricht, meint man meistens fünf Gesätze oder auch Geheimnisse, die bedeutende Ereignisse aus dem Leben Jesu und Mariens beleuchten. Es gibt vier verschiedene Rosenkränze, die zusammen Psalter genannt werden. Die vier Rosenkränze werden an verschiedenen Wochentagen gebetet:
- Die freudenreichen Geheimnisse (montags und samstags): Betrachten der Menschwerdung, Geburt und Kindheit Jesu
- Die lichtreichen Geheimnisse (donnerstags): Im Zentrum stehen das öffentliche Wirken Jesu bis hin zur Einsetzung der hl. Eucharistie
- Die schmerzhaften Geheimnisse (dienstags und freitags): Beinhalten das Leiden und Sterben Jesu
- Die glorreichen Geheimnisse (mittwochs und sonntags): Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, die Herabkunft des Hl. Geistes und die Krönung Mariens im Himmel.
Ein Rosenkranz besteht aus 59 Perlen und einem Kreuz. Die Perlen helfen beim Zählen der Gebete und der Meditation über die Geheimnisse.
Jeder Abschnitt (genannt: ein «Gesätz») enthält ein «Vater unser», zehn «Gegrüsset seist du Maria», in die das jeweilige Geheimnis eingefügt wird sowie ein «Ehre sei dem Vater». Am Anfang des Rosenkranzgebets steht das Kreuzzeichen, gefolgt vom Apostolischen Glaubensbekenntnis.