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Gelebte Ringparabel – Wenn sich jüdische, christliche und muslimische Menschen treffen

Wie leben jüdische und muslimische Menschen ihre Religion im Alltag? Neun Gäste erzählten den Zuger Katechetinnen und Katecheten an der Weiterbildung «Begegnungen mit den abrahamitischen Religionen» von ihrer Glaubenspraxis.

Alle Teilnehmenden. Foto: Melanie Schnider

Im Kanton Zug leben gemäss dem Bundesamt für Statistik 66’292 Menschen mit christlichem Glauben, 4'945 Musliminnen und Muslime, 147 Jüdinnen und Juden, 36'654 Atheistinnen und Atheisten und 2’079 Menschen mit anderer oder unbekannter Religionszugehörigkeit. Viel spannender als diese Zahlen ist jedoch die Frage, wie Mitmenschen ihren Glauben im Alltag leben. Diese Frage thematisierte die Ökumenische Weiterbildung «Begegnungen mit den abrahamitischen Religionen».

Amina Ahmeti (links) schätzt es, dass «alle Teilnehmenden so offen für Gespräche sind und die eigene Religion nicht als einzig wahre sehen.» Foto: Melanie Schnider

Lernen durch persönliche Begegnungen

Am Mittwochabend, 2. April trafen sich katholische und reformierte Religionslehrpersonen aus dem Kanton Zug mit fünf muslimischen und vier jüdischen Menschen. Eine Art gelebte Ringparabel, wie man den Abend im Reformierten Kirchenzentrum Zug interpretieren könnte. Neben Akzeptanz zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen verfolgte die Weiterbildung ein weiteres Ziel: «Wissen über andere Religionen sollte man sich nicht nur durch Lehrbücher aneignen, sondern vor allem durch persönliche Begegnungen», meinte Marlen Schärer von der katholischen Fachstelle Bildung, Katechese und Medien. Sie hat den Abend gemeinsam mit Roland Mühlemann von der reformierten Fachstelle Religionspädagogik organisiert. «Ziel ist es, dass die Gespräche und Erkenntnisse aus den Begegnungen in den Religionsunterricht einfliessen», fuhr sie fort.

Die muslimischen und jüdischen Gäste (v.l.): Fetija Hamzic, Hajrudin Mujkanović, Amina Ahmeti, Micha Guskin, Claudia Bollag, Anel Hadzic, Muharem Mujkic und Lili Nordmann. Foto: Melanie Schnider

Zum Einstieg haben sich die Teilnehmenden mit der Erzählung von Abraham und Isaak – im Islam Ibrahim und Ismael – auseinandergesetzt, die in allen drei Religionen wichtig ist. «Die Auslegung der Erzählung zeigt, dass die drei Religionen nicht nur von verschiedenen Versionen des Stoffs ausgehen, sondern die Deutungen auch innerhalb der Religionen weit auseinandergehen», sagte Mühlemann, «Diese unterschiedlichen Sichtweisen gehören zu jeder Religion dazu.» In diesem Geist hat auch der interreligiöse Dialog stattgefunden. Doch worüber diskutierten die Religionslehrpersonen mit den muslimischen und jüdischen Gästen?

Wozu dient im Judentum eine Mesusa? Das erklärt Claudia Bollag (rechts). Foto: Melanie Schnider

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Durch die Gespräche erfuhren die Teilnehmenden faszinierende Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen. So wird beispielsweise die Religionszugehörigkeit in den drei monotheistischen Weltreligionen jeweils anders bestimmt. Während ein Mensch durch die Taufe christlich wird, bestimmt der Glaube der Mutter (im Judentum) oder des Vaters (im Islam) die Religion der Kinder. Während den Gesprächsrunden hörten sich die Teilnehmenden aktiv zu, schauten sich gegenseitig an und fragten nach. Spürbares Interesse, Kopfnicken, überraschtes Stirnrunzeln und gegenseitiges Zulächeln prägten den Austausch. «Das Kommunizieren der verschiedenen Religionen ist für mich das Wichtigste», sagte Hajrudin Mujkanović, Imam und Mitglied des Islamischen Vereins des Kantons Zug (IVKZ).

Diskutieren bis in die Nacht hinein

Die Teilnehmenden diskutierten derart vertieft, sodass Roland Mühlemann und Marlen Schärer das Programm des Abends kurzerhand abänderten: Die jüdischen und muslimischen Gäste blieben länger und der Reflexionsteil der Katechetinnen und Katecheten an Flipcharts wurde gestrichen. Bis es draussen stockdunkel war, sassen alle zusammen, tauschten sich über ihren Glauben aus und teilten gemeinsam einen Apéro.

Während des interreligiösen Dialogs