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Göttinnen aus aller Welt zu Gast in der Kirche St. Johannes, Zug

Die Kirche St. Johannes in Zug wird zum Begegnungsraum: Göttinnenfiguren aus 30'000 Jahren und von allen Kontinenten treten in Dialog mit der christlichen Symbolik. Die Ausstellung «Wo ist die Göttin?» erkundet, wie Identität durch Verbindung wächst.

Statue der ägyptischen Göttin Isis. Foto: www.göttinnenraum.ch

Sind Göttinnen nicht etwas fürs Museum oder für esoterische Zirkel? Die Zuger Pfarrei St. Johannes beantwortet diese Frage mit einer Einladung. Ab dem 15. August ist im Sakralraum während zehn Tagen die weibliche Verwandtschaft der jüdisch-christlich-islamischen Tradition zu Besuch. Dies im Rahmen der mobilen Ausstellung «Wo ist die Göttin?» des Vereins «Göttinnenraum» (www.göttinnenraum.ch), die der Kirchenrat der katholischen Kirche Stadt Zug finanziert.

Kirchenraum, Fragen, Bibeltexte und 35 Gestalten lebendiger Urkraft eröffnen einen Dialog. Wer möchte, kann sich in den Kreis der verschiedenen Göttinnen setzen. Einige dürfen in die Hand und auf den Schoss genommen werden. Das gastliche Miteinander steht Kirchenmitgliedern und kirchenfernen Besuchenden gleichermassen offen.

Eine Sammlung mit Geschichte

Herzstück ist die über vier Jahrzehnte gewachsene Sammlung von Autorin und Filmemacherin Luisa Francia zu weiblicher Spiritualität und Magie. Sie umfasst rund 100 Exponate, von der Frauenfigur von Willendorf über Isis, Ashera, Kubaba und Durga bis zu Marien-Statuetten, Originale wie Repliken. 2024 übergab Francia ihre Sammlung dem Verein «Göttinnenraum». Seither ist sie weiter gewachsen. Die öffentlich zugängliche Sammlung bringt Frauen, Männern und Kindern von heute weibliche Macht mit Figuren aus aller Welt nahe.

«Wer sich auf Bibel und Tradition beruft, muss vor Göttinnen keine Angst haben», sagt Regula Grünenfelder, theologische Initiantin und Leiterin der Ausstellung. «Frühere religiöse Traditionen wurden lange als dunkle Folie missbraucht, vor der die eigene Religion besonders hell strahlt. Wir kehren das um: Wertschätzung durch Gastfreundschaft. Eine Identität, die sich ihrer Verwandtschaften bewusst ist, kann selbstbewusster und gelassener mit dem Anderen umgehen – dafür braucht es heute Orte und Initiativen. Religion soll nicht für Abgrenzung instrumentalisiert werden, sondern Menschen nähren, beheimaten und verbinden.»

Kuratiert und inszeniert wird die Ausstellung von Sonja Koch, die den Göttinnenraum eingerichtet hat. Die fachliche Expertise zu den Exponaten steuert das Team des Vereins Göttinnenraum bei. Die Ausstellung geht nach St. Johannes auf Reisen in weitere Kirchen.

Ein offener Raum: Geleitwort des Bischofs zur Ausstellung

«Manchmal beginnt ein ehrliches Gespräch mit einer leisen Irritation: „Wo ist die Göttin?“ Diese Frage kann provozieren und neugierig machen. Sie kann auch Widerstand wecken. Gerade deshalb lohnt es sich, ihr nicht auszuweichen. Denn wer fragt, ob wir Gott auch anders denken können, fragt aus einer Sehnsucht heraus. Dass Gott grösser ist als unsere Worte und Bilder und freier als unsere Gewohnheiten.

Die biblische Tradition selbst tastet sich voran, ringt um Worte und wagt unterschiedliche Bilder: Gott als Vater (Röm 8,15), als tröstende Mutter (Jes 66,13), als Hirte (Ps 23), als Quelle des Lebens (Ps 36,10), als Weisheit, die tanzt, ruft und einlädt (Spr 8). Nicht alles davon ist uns vertraut oder eindeutig. Aber vieles ist o(en genug, um neu gehört und betrachtet zu werden. Diese Ausstellung setzt etwas neben das Vertraute. Wer hier eintritt, muss nichts übernehmen. Aber vielleicht darf man neu entdecken, dass Glauben nicht enger wird, wenn er sich prüfen lässt, sondern weiter. Vielleicht führt uns das näher zu dem Geheimnis, das wir GOTT nennen. Und das ist viel.»
+ Felix Gmür, Bischof von Basel

Ausstellung 15. bis 25. August

«Wo ist die Göttin?» Göttinnen-Ausstellung im religiösen Raum: 15. bis 25. August 2026, Kirche Kirche St. Johannes, Zug. Öffnungszeiten: 7 bis 19 Uhr. Eintritt frei.​ Link zum Begleitprogramm

Während der Laufzeit ist immer jemand vor Ort für Gespräche, Fragen und Begegnung. Das Programm, ein Hörstuhl, ein Stille-Stuhl und ein Schreib- und Kreativbereich laden zur Vertiefung ein.