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Grosseltern sind das lebendige Gedächtnis

Am 27. Juli feiert die Kirche den Welttag der Grosseltern und der älteren Generation Den Muttertag gibt es seit gut hundert Jahren. Der Vatertag, der hierzulande kaum gefeiert wird, ist ähnlich alt. Und der Grosselterntag? Den katholischen Welttag der Grosseltern hat Papst Franziskus ins Leben gerufen. Ein paar persönliche Gedanken als Grossvater.

«i nonni» - Die Grosseltern. Foto: Franz Lustenberger

«i nonni» heisst das kleine Werk aus Farben und Steinen (siehe Foto), das bei uns bei der Küche hängt. Ein Grosselternpaar, zwei Blumen, zwei Herzen und eine lachende Sonne. Zuerst zum Grosselternpaar: Wir sind es, meine Frau Anna und ich. Wir sind sicher auch etwas stolz. Wir sind vor allem froh, unseren Enkel und die beiden Enkelinnen in ihrem Heranwachsen begleiten zu können. Wir sehen ihre Entwicklung zu eigenständigen Persönlichkeiten von Woche zu Woche, wenn ein «Hütetag» im Kalender festgehalten ist.

Überhaupt sind die Grosseltern für die heutigen Kleinfamilien, in denen beide Elternteile arbeiten (müssen), nicht mehr wegzudenken. Grosseltern sind etwas spöttisch formuliert die grösste Kita der Schweiz. Kein Lamento, nein – wir machen dies sehr gerne.

Keine Trennung

Und damit komme ich zum zweiten Element im Kunstwerk, den Herzen der Liebe und der Zusammengehörigkeit. Zwei Enkelinnen wohnen ganz in der Nähe in Baar. Ein Enkel lebt in Bern; auch ihn bekochen wir drei bis viermal im Monat und gehen mit ihm in die Musikstunde. Alles gut also? Nein – die Grosseltern väterlicherseits leben in Israel. Gegenseitige Besuche sind seit Corona und dem Krieg noch seltener geworden. Unser Enkel hat eine gute Beziehung zu uns, zu den Schweizer Grosseltern. Aber er lebt auch in Sorge um die israelischen Grosseltern. «Wann gehen wir wieder zu Saba und Safta?», frage er etwa. Diese Frage zeigt, wie wichtig die familiäre Zusammengehörigkeit für ein Kind und seine Entwicklung ist. Mich macht es darum sehr betroffen, wenn das Wort «Familienzusammenführung» in ausländer- und asylpolitischen Diskussionen als Bedrohung der Schweiz verwendet wird. Wäre es nicht christlich-verankerte Politik, sich für ein uneingeschränktes Recht auf Familieneinheit einzusetzen?

Hat ein Kind nicht ein Anrecht auf eine lebendige Beziehung zu den Grosseltern? Das dritte Element sind die Blumen. Wir geniessen die Zeit mit unseren Grosskindern in der Natur, in der nahen Umgebung. Ich erinnere mich an den moorigen Barfussweg im Seleger Moor. Ich erinnere mich ans Frisbee-Spiel auf dem Gurten. Ich erinnere mich an spielerische Wanderungen auf den Eggbergen – wer sieht zuerst die nächste weissrotweisse Bergwegmarkierung?

Grosselterntag am Wasser. Quelle: Grosselternmagazin, Tibor Nad

Das Staunen von Kindern in der Natur kann uns älteren Menschen Vorbild sein; der grosse Ameisenhaufen am Wegrand ist eben viel mehr als ein Ameisenhaufen. Er ist Anlass für ein gemeinsames Nachdenken und der mahnende Hinweis darauf, mit der Natur um uns herum sorgsam umzugehen. Die Umwelt ist nicht ausserhalb von uns; wir alle – ob klein oder gross – sind Teil dieser Mitwelt, dieser Schöpfung, für welche wir Verantwortung tragen. Nicht zuletzt wegen der Grosskinder und späteren Generationen.

Unendlichkeit der Sonne

Das letzte Symbol, die Sonne. Sie strahlt am blauen Himmel. Unendlich weit weg, und doch wäre ohne sie das Leben auf diesem Planeten gar nicht möglich. Die Sonne verweist auf den Ursprung unseres Daseins. Ich bin mit meinen Enkelinnen immer wieder in die St.Anna-Kapelle gegangen, um mit ihnen eine Kerze anzuzünden. Es ist kein religiöses Eintrichtern, wie ich es mit Katechismus Auswendiglernen geniessen durfte. In der Stille einer Kapelle können wir in die Tiefe eintauchen, können Fragen nach dem Tod der Hauskatze gestellt werden. Wenn wir mit unseren Grosskindern im Dorf unterwegs sind, fallen uns viele Grosseltern mit gleichen Aufgaben auf.

Darum nur eine Anregung an die Pfarreien zum Schluss – Seniorenhöck oder Jugendtreff sind bestehende Angebote. Könnte die Kirche einen Akzent auf Grosseltern und Grosskinder legen? Mit Spielnachmittagen oder einfach Geschichten erzählen, denn Grosseltern sind das Gedächtnis der Gesellschaft.

Hinweis: Botschaft von Papst Leo XIV. zum 5. Welttag der Grosseltern und Senioren