Im Rahmen des Projektes «Zwischenhalt» von «Kirche mit Zug» gaben Mateja Levak, Teamleitung Pflegeteam 1 im Seniorenzentrum Mülimatt, und Sandra Dietschi, Altersseelsorgerin in den Pfarreien St. Johannes Zug und Bruder Klaus Oberwil Einblick in ihre Arbeit, eigentlich in ihre ganz konkrete Zusammenarbeit.

Beide Frauen machten gleich zu Beginn des Austauschs in der kleinen Runde klar: Pflege und Seelsorge sind zwei Aspekte einer ganzheitlichen Betreuung auf der menschlichen Ebene. Es gibt noch weitere Aspekte, wie etwa die ärztliche Komponente oder finanzielle Themen. Aber bei der Pflege und der Seelsorge stehen die Menschen, die einzelnen Persönlichkeiten und ihre Schicksale im Vordergrund.
Sowohl Sandra Dietschi wie auch Mateja Levak betonen, sie sähen sich als Vertrauenspersonen für die Bewohnerinnen und Bewohner wie auch für die Angehörigen. Und das brauche Zeit: «Zuhören ist eine unserer Hauptaufgaben». Mit zunehmendem Alter würden Soziales, Pflege und Spiritualität enger zusammenwachsen. Sandra Dietschi dazu: «Es geht darum, das Leben auch lebenswert zu machen.» Seelsorge ist viel mehr als Gottesdienste im Heim; so bietet sie spezielle Zusammenkünfte an. Klangwelten in der heimeigenen Kapelle oder das Erinnerungscafé, in dem die Vergangenheit wieder lebendig wird.
«Weisch no» öffnet Türen
Das erfahren alle Frauen und Männer, die mit alten Menschen arbeiten, für sie da sind und damit zur wichtigsten Bezugsperson im Alltag werden: Mateja Levak formuliert es so: «Uns wird sehr viel erzählt, Belastendes aber auch Fröhliches.» Wenn zusammen die erste Strophe eines Lieds gesungen wird, stimmt sicher eine Bewohnerin des Heimes noch die Strophen vier und fünf an.
Es kommt vor, dass Demenzkranke zwar nicht mehr wissen, worüber eine Minute vorher gesprochen wurde, aber beim Reizwort «Rilke» wird gleich ein Gedicht des deutschen Lyrikers rezitiert. Oder nach dem Blick auf eine Ansichtskarte aus den Bergen wird die Pflegekraft zum Teil eines schönen Wandererlebnisses samt Sonnenaufgang und dem Picknick auf dem Gipfel. Oder das Kämmen der Haare am Morgen löst Erinnerungen an die Kindheit aus, als die Grossmutter damals dem Mädchen die Zöpfe flocht. «Da öffnen sich Türen zu den Seelen und Tiefen der einzelnen Persönlichkeiten», sagt Sandra Dietschi.

Jede Emotionalität wird ernst genommen
Herausfordernd für Pflege und Seelsorge sind ebenfalls die Gespräche mit Angehörigen, welche einen lieben Menschen verlieren oder nach dem Tod um ihn trauern. Sandra Dietschi, die vor einigen Jahren ihren Mann verloren hat, kann aufgrund dessen aus eigener Erfahrung mit Angehörigen reden: «Das hilft mir in meiner Arbeit.» Angehörige dürfen auch weinen, sie dürfen auch schweigen. Jede Emotionalität muss ernst genommen werden. «Starke Begegnungen im Alter» - unter diesem Titel stand die Veranstaltung «Zwischenhalt» von «Kirche mit Zug» in der Mülimatt.
Das Fazit – und das betonen beide Referentinnen – ist, starke Momente gibt es vor allem, wenn Menschen alters- oder krankheitshalber schwach erscheinen. Es gebe nichts Schöneres als Menschen im Leben und auch im Sterben begleiten zu können.