Am ersten Freitag im März feiern die Menschen in über 150 Ländern den ökumenischen Weltgebetstag (WGT). Dieses Jahr steht Nigeria im Fokus. Die Feier zum ökumenischen Weltgebetstag hat in der Pfarrei Bruder Klaus eine lange Tradition. Die Organisatorinnen in Oberwil-Zug erzählen, was sie an der Bewegung fasziniert – und weshalb sie zuweilen zu Sprachexpertinnen werden.

«Akaro» – herzlich willkommen. Oder, je nach Region von Nigeria: «Noo!» Die Begrüssung funktioniert bereits. Barbara Benz schmunzelt: Sie hat sich die Worte sorgfältig herausgeschrieben, ebenso, wie man in den nigerianischen Sprachen Yoruba oder Hausa «danke» oder «bitte» sagt.
Benz gehört zum Team der Freiwilligen, das in der Pfarrei Bruder Klaus im Pastoralraum Zug-Walchwil jedes Jahr am 6. März eine Feier zum Weltgebetstag auf die Beine stellt. Für die Begrüssungsworte in der Sprache des Landes, aus dem die Weltgebetstagliturgie stammt, musste ihr Team diesmal eine Auswahl treffen: Mehr als 250 ethnische Gruppierungen und Stämme mit eigenen Sprachen gibt es Nigeria. Faszinierend sei das, sagt Barbara Benz – es zeige aber gleichzeitig auf, dass in einem Land mit so grosser ethnischer und religiöser Vielfalt ein Zusammenleben herausfordernd und anfällig für Konflikte sei.
Kalebassen und bunte Tücher
Die ökumenische Feier zum Weltgebetstag sei grundsätzlich ein Laiengottesdienst, erklärt Bernadette Purtschert, die ebenfalls zum WGT-Team gehört – «gestaltet von Laien für Laien». Zwar werde die Pfarreiseelsorgerin Jacqueline Meier am Ende der Feier einen Segen sprechen, den Rest aber übernimmt die Frauengruppe zusammen mit der Organistin Silvia Affentranger.
Die Liturgie erhalten die Freiwilligen von der Organisation Weltgebetstag Schweiz – «sie liefert uns das Grundgerüst», erklärt Benz. Wie sie die rund 75-minütige Feier im Detail ausgestalten, ist den drei Frauen überlassen. Beziehungsweise: Das diskutieren und planen sie jeweils über mehrere Wochen hinweg. Aktuell organisieren sie Elemente für die Dekoration der Kirche: von einer Nachbarin erhalte sie nigerianische Kalebassen, sagt Barbara Benz – krugförmige und kunstvoll verzierte Gefässe. Zudem werden bunte Tücher in den Farben der nigerianischen Flagge die Kirche schmücken.
Drei Lebensgeschichten
In einem ersten Teil der Feier gehe es darum, das jeweilige Land vorzustellen, sagt Barbara Benz. Danach folgt die Liturgie, diesmal verfasst von Frauen aus Nigeria. Konkret geben drei Lebensgeschichten von nigerianischen, christlichen Frauen einen Einblick in deren Alltag, der von verschiedenen Lasten und Ängsten geprägt ist: Da ist etwa die Geschichte einer jungen Witwe mit drei Kindern, die durch den frühen Tod ihres Mannes auch ihren Platz in der Gesellschaft verloren hat. Oder von einer Mutter, die mit ihrer Tochter im muslimischen Norden Nigerias lebt, und sich jeden Tag ängstigt, ihr Kind könnte wegen seines Glaubens verschleppt werden.
Die physischen, aber auch unsichtbaren Lasten der nigerianischen Frauen sind auch im diesjährigen Weltgebetstag-Bild (Cover) einer nigerianischen Künstlerin dargestellt.
Mit dem Wissen um diese Herausforderungen der Frauen werde die Weltgebetstagfeier diesmal vielleicht etwas weniger unbeschwert, sagt Barbara Benz. Gleichzeitig sende der Weltgebetstag ein wichtiges Zeichen zu den betroffenen Frauen und hinaus in die ganze Welt. «An diesem Tag sind wir alle im Gebet verbunden. Auf dem ganzen Globus sind die Menschen am 6. März in Gedanken bei den Frauen in Nigeria und ihren tagtäglichen Schwierigkeiten. Ich glaube, das vermittelt viel Stärke.»
Tradition seit 90 Jahren
Der Weltgebetstag ist Teil einer globalen Bewegung von Frauen aus christlichen Traditionen. Seit 1927 wird er weltweit begangen, in der Schweiz seit 90 Jahren. Nach dem Motto «informiert beten – betend handeln» wird zu Solidarität aufgerufen. Die Kollekte geht an Projekte im Liturgie-Land. Weltgebetstagfeiern sensibilisieren und schärfen die Aufmerksamkeit für die Kultur, Geschichte und Politik des jeweiligen Landes. www.wgt.ch