Soziale Arbeit in einem fremden Kontext: Die angehende Jugendarbeiterin Julia Keiser vom Pastoralraum Zug Walchwil verbrachte ein Auslandseminar in Indien. Dort erlebte sie, wie Religion im Alltag der Menschen einen wichtigen Platz einnimmt – und welch grosse Ressource der Glaube sein kann.

Ein Auslandseminar in Indien – Erlebnisbericht einer angehenden Jugendarbeiterin aus Zug.
Ich bin Julia Keiser und arbeite als Jugendarbeiterin in Ausbildung im Pastoralraum Zug Walchwil. Angestellt bin ich bei der Katholischen Kirchgemeinde Zug, die mich auf meinem Weg unterstützt. Im Rahmen meines berufsbegleiteten Studiums der Sozialen Arbeit an der ZHAW durfte ich an einem zweiwöchigen Seminar in Bangalore, Indien, teilnehmen. Gemeinsam mit elf Mitstudierenden erhielt ich Einblicke in Soziale Arbeit in einem anderen kulturellen und gesellschaftlichen Kontext.
Während unseres Aufenthalts besuchten wir verschiedene NGOs, die eine zentrale Rolle in der sozialen Unterstützung übernehmen. Wir erhielten Einblicke in Projekte zu Armut, Bildung, Frauenrechten und der Unterstützung benachteiligter Gruppen. Dabei fiel mir auf, dass sich die Soziale Arbeit in Indien mit ähnlichen Herausforderungen wie in der Schweiz beschäftigt, jedoch in deutlich grösseren Dimensionen. So besuchten wir eine Schule, die Kinder ab dem dritten Lebensjahr bis ins junge Erwachsenenalter begleitet und auf Prüfungen vorbereitet. Das kostenlose Angebot richtet sich an Familien, die sich reguläre Bildung nicht leisten können.
Ein weiteres Beispiel war eine NGO, die als Selbsthilfeorganisation funktioniert. Mitglieder zahlen monatlich in einen gemeinsamen Fonds ein, wodurch grössere Anschaffungen wie eine Nähmaschine oder eine Kuh möglich werden.
Besonders eindrücklich war für mich die enorme Vielfalt des Landes. Allein die Stadt Bangalore mit rund 13 Millionen Einwohnenden vereint zahlreiche Kulturen und Traditionen. Diese Vielfalt zeigt sich nicht nur in Sprache und Festen, sondern auch in der Religion. Der grösste Teil der Bevölkerung gehört dem Hinduismus an. Zentrale Elemente sind der Glaube an Karma, Wiedergeburt und Erlösung, wobei ich auch Parallelen zum Christentum erkennen konnte.
Eine weitere Gemeinsamkeit fand ich, als wir ein hinduistisches Erntedankfest miterlebten. Wie im Christentum steht dabei die Dankbarkeit für die Ernte im Mittelpunkt. Religion nimmt im Alltag vieler Menschen einen zentralen Platz ein, was sich durch die zahlreichen Altäre, Tempel und Symbole im öffentlichen Raum zeigt. Besonders beeindruckend fand ich das sichtbare Nebeneinander verschiedener Religionen.
Neben diesen Einblicken haben mich vor allem die persönlichen Begegnungen berührt. Überall wurden wir mit grosser Gastfreundschaft empfangen. Gemeinschaftliches Feiern und Zusammenkommen spielen eine zentrale Rolle im Alltag.
Für meine zukünftigen Aufgaben, insbesondere in der Jugendarbeit, nehme ich viele Eindrücke mit. Besonders vor Augen geführt wurde mir, welche Ressource Religion für viele Menschen darstellen kann. Sie bietet Orientierung, Gemeinschaft und Hoffnung. Die ausgeprägte Bedeutung von Gemeinschaft hat mich beeindruckt. Menschen unterstützen sich gegenseitig, feiern gemeinsam und teilen wichtige Momente ihres Lebens miteinander. Diese Form von Gemeinschaftlichkeit vermisse ich manchmal in der Schweiz, wo ich das Leben stärker individualisiert erlebe. Ich sehe es daher umso mehr als meine berufliche Aufgabe, dem entgegenzuwirken und Leute zusammenzubringen.
Julia Keiser