Von der Seelsorge ans Mikrofon: Am 8. März ist Jacqueline Meier von der Pfarrei Bruder Klaus, Oberwil-Zug, erstmals als neue Radiopredigerin auf SRF 2 zu hören. Worauf sie sich am meisten freut – und weshalb sie anders predigen wird als sonntags in der Kirche.

Diesen Job kann man sich nicht «schnappen». Oder sich dafür bewerben. Nein, als Radiopredigerin oder -prediger für Radio SRF wird man gezielt ausgesucht. «Da hatte ich wohl einfach Glück», sagt Jacqueline Meier, Seelsorgerin in der Pfarrei Bruder Klaus in Oberwil-Zug. Wobei sie schon recht überrascht gewesen sei von der Einladung zum Casting, erzählt die 47-Jährige. Da sie aber selbst gerne Radio hört, und das Medium Radio sehr spannend findet, war ihre Neugierde geweckt. «Warum eigentlich nicht?» Kurz darauf stand sie auch schon im Radiostudio Basel für Probeaufnahmen.
«Eine schöne Wertschätzung»
Als «sehr lässig», habe sie das Casting empfunden, erzählt Meier, zudem habe sie wertvolle Tipps bekommen für ihre Predigten, die sie auch in ihrem Alltag als Seelsorgerin brauchen könne. «Ich hatte ein gutes Gefühl», wusste aber natürlich nicht, wer meine Mitbewerbenden waren», blickt sie zurück. Als dann die Zusage kam, war die Freude gross. Und es sei auch eine schöne Wertschätzung für ihre täglich Arbeit. «Allzu verkehrt mache ich es also nicht», sagt sie scherzhaft.
Mit der Zusage verpflichtete sich Meier, von jetzt an zwei Jahre lang etwa alle zwei Monate für die SRF-Radiopredigt am Mikrofon zu stehen. Die Predigt werde allerdings im Vorfeld aufgezeichnet – und man könne sie auch als Podcast hören, betont sie. Letzteres erwähnt sie vor allem gerne gegenüber den treuen Gottesdienstbesuchenden ihrer Pfarrei: «Ich möchte ja nicht, dass an den besagten Sonntagen alle daheim Radio hören und unsere Kirche hier in Oberwil leer bleibt», sagt sie schmunzelnd.
Neuland ist für Jacqueline Meier vor allem, dass sie fürs Radio in Schriftsprache predigen wird. Das sei eine Herausforderung, denn in Oberwil predigt sie in der Regel in Mundart.
Wie viel aus der Bibel?
Ein Unterschied ist auch der Inhalt der Predigten: Während in ihrem Alltag in der Pfarrei eine feste Leseordnung das Tagesevangelium bestimmt, ist Meier bei ihren Radiopredigten frei in der Themenwahl. Grundsätzlich könne sie ein beliebiges Thema aufgreifen. So ist es ihr selbst überlassen, ob und wie viele Bibelstellen sie in ihre Predigten einfliessen lasse. «Da bin ich sehr gespannt auf die Reaktionen der Hörerinnen und Hörer», sagt Meier. «Für manche gehören Worte aus der Bibel zwingend in eine Predigt, andere finden es vielleicht erfrischend, wenn neue Themen zur Sprache kommen.»
Rund 120 000 Leute hören gemäss SRF jeweils die Radiopredigt. Darunter gebe es ganz «Treue», die jeden Sonntag einschalten würden, da sie aus verschiedenen Gründen nicht in die Kirche gehen könnten, so Meier. Aber es gebe auch jene, bei denen die Radiopredigt sonntags beim Frühstück einfach im Hintergrund laufe. Oder jene, die zufällig einschalten würden, vielleicht beim Autofahren, und dann je nach Thema «hängenbleiben» oder nicht. «Das Publikum ist nicht so homogen, wie ich es von den Sonntagen in meiner Pfarrei Oberwil kenne», fasst Meier zusammen.
Publikum ist «Ü70»
Was die Zuhörenden gerade beschäftige oder interessiere, könne sie beim «Radiopublikum» kaum einschätzen. Lediglich vom Alter her könne sie sich eine vage Vorstellung machen: Die Hörerinnen und Hörer seien om Alter her im Schnitt «ü 70». Und tendenziell eher aus ländlichen Regionen.
Auch, welcher Konfession die Hörenden angehören – wenn überhaupt – könne sie als Radiopredigerin nicht wissen. Deswegen ist es Jacqueline Meier wichtig, ihre Predigten offen zu gestalten. Menschen aus unterschiedlichen Lebensrealitäten sollen sich angesprochen fühlen – «im Idealfall kann jeder für sich etwas daraus mitnehmen».
Erste Radiopredigt von Jacqueline Meier: Sonntag, 8. März, 10 Uhr, SRF 2 Kultur. Podcast: www.srf.ch/audio/radiopredigt