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Sein Kreuzweg hängt im Petersdom

Er bekam den Auftrag seines Lebens: Der bislang wenig bekannte Künstler Manuel Dürr hat einen Kunstwettbewerb des Vatikans gewonnen und durfte für den Petersdom einen Kreuzweg gestalten. Am Aschermittwoch wurden die 14 Ölgemälde in Rom aufgehängt. Zuvor erlebte der Familienvater die wohl arbeitsintensivste Zeit seiner Karriere.

Der reformierte Bieler Künstler Manuel Dürr hat für den Petersdom in Rom einen Kreuzweg gemalt. Foto: Janmarc Furrer

Kurz vor dem grossen Moment beschlich ihn dann doch noch ein wenig Nervosität. Könnte die Trocknungszeit der Ölgemälde zu knapp berechnet sein? Würde alles rechtzeitig fertig werden, oder könnte das Projekt im finalen Schlussspurt scheitern?
Das tat es zum Glück nicht. Manuel Dürr, Kunstmaler aus Biel, war «sehr erleichtert», dass alle seine 14 Ölgemälde des Kreuzwegs pünktlich im Petersdom aufgehängt werden konnten. Von diesem «Nervenkitzel im letzten Moment» erzählt er aktuell im Podcast «Laut + Leis», in dem er über seinen bisher bedeutendsten Auftrag spricht.

Dem 37-jährigen Dürr ist mit seinem Projekt «Via Crucis» für den Petersdom ein Riesencoup gelungen. In einem internationalen Kunstwettbewerb des Vatikans setzte er sich gegen nahezu 1000 andere Künstlerinnen und Künstler aus 80 Ländern durch. Diese hatten sich allesamt für den prestigeträchtigen Auftrag beworben, die 14 Stationen des Kreuzwegs für den Petersdom zu malen.

Manuel Dürr hat Jesus so gemalt, wie er im Petersdom schon präsent ist. Foto: Janmarc Furrer

«Eine grosse Gnade»

Warum ausgerechnet er den Zuschlag bekommen hat, lässt ihn bis heute staunen, so Dürr im Podcast. Vielleicht liege es daran, dass er beim Malen weitgehend auf Vorlagen wie Fotografien oder Modelle verzichte. «Mein Ziel als Künstler war es immer, alles aus der Vorstellung heraus malen zu können», erzählt Dürr, der in Florenz an einer privaten russischen Kunstakademie studiert hatte. Er brauche «keine Vorlage als Brücke».

Entstanden sind Dürrs 14 grossformatige Bilder in einer arbeitsintensiven Zeit. Bis Ende August letzten Jahres mussten sie fertiggestellt sein wegen der langen Trockenphase von Ölgemälden. Nach der finalen Zusage aus dem Vatikan habe er acht Monate lang sechs Tage die Woche bis zu acht Stunden am Tag in seinem Atelier gestanden, rechnet er im Podcast vor. «Ich hatte grosses Glück: Ich habe drei kleine Kinder und bin in diesen acht Monaten trotzdem nie krankheitsbedingt ausgefallen», schildert er. «Es war eine grosse Gnade, dass ich diesen intensiven Arbeitsalltag bewältigen konnte.»

Wie malt man Jesus?

Manuel Dürr war es wichtig, dass sein Kreuz weg sich in den Kontext des Petersdoms einfügt – und dort nicht «wie ein Fremdkörper» herausstechen würde, erzählt er. Deswegen habe er Jesus so gemalt, wie er im Petersdom schon präsent sei. Das «Setting» Petersdom habe seine Arbeit stark beeinflusst. Gleich zeitig sollte der Leidensweg Jesu sowohl als Gesamtwerk, aber auch als 14 Einzelkompositionen lesbar sein, fügt er an. «Jede Station des Kreuzweges soll auch als Einzelbild funktionieren und gern betrachtet werden.»

Hatte er während des Malens auch mal Zweifel, ob ein Bild «gut genug» sei, um im Vatikan neben Grössen wie Michelangelo oder Bernini zu hängen ? Natürlich, sagt Dürr: «Die schwierigste Entscheidung war jeweils, wenn ich einen fertig gemalten Christus vor mir hatte. Und dann dachte: Ich habe ja noch Zeit, soll ich hier oder dort noch Ergänzungen anbringen?» Ein nachträgliches Überarbeiten sei aber in der Ölmalerei knifflig: Diese Technik lasse wenig Veränderungen zu. «Es gibt keinen Control-Z-Knopf», sagt Dürr schmunzelnd. «Man kann in der Ölmalerei die Arbeit von Wochen und Monaten in einer halben Stunde vernichten.» Aus diesem Grund musste er Abstand nehmen «von übertriebenem Perfektionismus».

Für sein Kreuzweg-Projekt wird Dürr vom Vatikan mit 120’000 Euro entlöhnt. «Keine Riesensumme» sei das im Vergleich mit dem internationalen Kunstmarkt, für italienische Lohnverhältnisse jedoch gar nicht mal so schlecht. Die Summe habe für ihn aber keine Rolle gespielt – das Projekt sei vor allem eine grosse Ehre: «Ich hätte den Kreuzweg für den Petersdom auch umsonst gemalt.»